Starre russische Haltung in ukrainischer Kirchenfrage Harte Kritik Konstantinopels am Moskauer Patriarchengeburtstag

newego_large_t_420_54690770

Von Heinz Gstrein

Istanbul. Patriarch Bartholomaios I. reagiert vorerst nur indirekt auf die Stärkezeichen, die der russische Oberhirte Kyrill in Moskau bei Gelegenheit seines 70. Geburtstags vor hochrangigen Gratulanten aus der gesamten Orthodoxie abgegeben hat. So veröffentlichte das dem Phanar nahestehende Kirchenportal amen.gr am 23. November unter dem Titel „Hat der Moskauer Patriarch nun zugehört oder nur von sich hören lassen?“ eine „Auswertung des Treffens von Kirchenführern in Moskau“. Darin werden die Unnachgiebigkeit von Patriarch Kyrill bei seiner Ablehnung des orthodoxen Konzils von Kreta, in der Frage von dessen Einmütigkeit und Rezeption sowie zum Kirchenproblem in der Ukraine beklagt und das Ökumenische Patriarchat aufgerufen, dagegen „zwangsläufig einzugreifen“. Bisher ginge es im Geist „differenzierter Besonnenheit“ vor, ohne darüber sein „kanonisches Verhältnis“ zur Ukrainischen Orthodoxen Kirche zu vergessen.

Der Verfasser dieser kritischen Bilanz des Moskauer Patriarchengeburtstags ist Petros Vassileiadis, emeritierter Bibliker der Theologischen Fakultät von Saloniki. Er hat dort, in Athen, London und Heidelberg studiert. Sein letztes bedeutendes Werk war 2007 „Einheit und Zeugnis. Christlich-orthodoxes Bekenntnis und interreligiöser Dialog.“ Vassilieiadis hat sich zuletzt als Befürworter des Konzils von Kreta und seiner Entscheidungen sowie als treuer Gefolgsmann von Patriarch Bartholomaios I. hervorgetan.

In amen.gr wendet er sich gegen den „weltlichen Pomp“ und die „deutlichen Elemente eines Zurschaustellens zaristischer Macht“ bei den Feierlichkeiten in Moskau. Vom neuen Abt Evlogij des russischen Klosters am Athos ließ sich Kyrill als „Allheiligkeit“ ansprechen, obwohl dieser Titel nur dem Ökumenischen Patriarchen zukommt. Kreise des Phanars stellen Kyrills Prunk und Pracht zu dem schlichten 25jährigen Amtsjubiläum von Bartholomaios im Phanar am 22. Oktober in Gegensatz. Fast alle geistlichen Oberhäupter der griechisch-orthodoxen Kirchenfamilie umjubelten oder umschmeichelten gar das russische Geburtstagskind. Nur Erzbischof Anastasios von Albanien wagte die Bemerkung: „Wir haben Sie in Kreta vermisst!“

Wie Prof. Vassileiadis vermerkt, hatte bei einer Pressekonferenz am 16. November der Stellv. Leiter des Außenamtes der Russischen Orthodoxen Kirche, Archimandrit Filaret Bulekow, in Aussicht gestellt: „Der Patriarch wünscht von Konzilsteilnehmern bei Gelegenheit des Aufenthaltes in Moskau ihre Erfahrungen auf dieser Heiligen und Großen Synode zu hören und wird in den Gesprächen mit ihnen unter vier Augen ihre persönliche Einschätzung des Konzils zur Kenntnis nehmen.“ Darauf hatte auch der Ökumenische Patriarch den Metropoliten von Frankreich, Emmanuel Adamakis, als Gratulanten und Informanten zu Kyrill gesandt. Dieser hörte sich den Emissär des Phanars an, ließ sich von ihm aber nicht überzeugen. Stattdessen wurden die hohen Gäste mit dem Patriarchen von Aexandria Theodoros II. an der Spitze von Kyrill bei seiner Geburtstagspredigt in der Moskauer Erlöser-Kathedrale und auf seiner Pressekonferenz, welche die Agentur Itar-TASS am 22. November in vollem Wortlauf wiedergab, mit einem unnachgiebigen, sogar verhärteten Standpunkt der russischen Kirchenführung konfrontiert. Darin werden – so amen.gr – die „Vorbehalte und Änderungswünsche“ Moskaus zum Konzil von Kreta und seinen Beschlüssen unterstrichen. Es fordert eine neue Synaxis (Gipfeltreffen) der neun orthodoxen Patriarchen und fünf Oberhäupter von Autokephalkirchen zur Vorbereitung eines wahren Konzils, das mit dem Kirchenrecht konform ist und wirklich gesamtorthodox unterstützte Beschlüsse in passender Form verkünden wird.

Für diese fordert laut Vassileiadis Patriarch Kyrill „Einstimmigkeit“ und nicht nur „Einmütigkeit“, wie sie Konstantinopel und die anderen Teilnehmer von Kreta verstehen. Im russischen Verständnis mache die Abwesenheit einer der 14 orthodoxen Kirchen vom Konzil dieses ungültig, während für Bartholomaios und seine Mehrheit an Patriarchen und autokephalen Erzbischöfen die Abwesenden – in Kreta waren es außer Moskau noch Antiochia, Bulgarien und Georgien – nur sich selbst ins Abseits stellen. Auch in Sachen einer für die Gültigkeit des Konzils aus Moskauer Sicht nötigen „allorthodoxen Annahme“ seiner Beschlüsse beharrte jetzt Kyrill auf diesem Standpunkt, während die Konzilsmehrheit sich nicht erst durch ihre Rezeption bestätigen lassen will: Konzilsbeschlüsse seien aus sich selbst als solche gültig!

Schließlich habe der Moskauer Patriarchengeburtstag die starre russische Haltung in der ukrainischen Kirchenfrage bestätigt. Kyrill lehnte nun erst recht eine Vereinigung der rivalisierenden orthodoxen Jurisdiktionen zu einer von den Russen unabhängigen, autokephalen Ukrainischen Orthodoxen Kirche ab. Das bedeutet in Einschätzung von Vassileiadis „Unglück für die Beziehungen unter den Christen wie auch für die Einheit der Orthodoxie.“ So könne der Russischen Orthodoxen Kirche der Vorwurf expansionistischer und nationalistischer Tendenzen in der Ukraine nicht erspart werden. Das stünde in komplettem Gegensatz zum Geist des Konzils von Kreta: „Die leidenschaftlichen, aber unbewiesenen Angriffe auf jene ukrainischen Orthodoxen, die sich vom Moskauer Patriarchat gelöst haben, aber auch auf die Griechisch-Katholische Kirche sind kein gutes Vorzeichen für eine Heilung dieser offenen Wunde am Leib der Kirche…“.

 

ÖKI

Advertisements

Josaphat-Gedenken: Die Ökumene braucht Heilige! Märtyrer der Kirchenspaltung auf katholischer wie orthodoxer Seite

unbenannt100

«Mutterkirche Konstantinopel»: Ukrainischer Patriarch Swjatoslaw bei Metropolit Elpidoforos in Chalki.

Von Heinz Gstrein

Wien. Der Oberhirte der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche, Swjatoslaw Schewtschuk, hat am 12. und 13. November seiner Diaspora in Österreich einen Pastoralbesuch abgestattet. Anlass dafür war das 100-Jahr-Jubiläum der Überführung der Reliquien des Märtyrers Josaphat Kunzewytsch (1580-1623) aus dem polnischen Biala Podlaska nach Wien mitten im Ersten Weltkrieg. Der hl. Josaphat wird von den ukrainischen und weißrussischen Ostkatholiken als ihr besonderer Patron verehrt.

Festtage von Reliquienübertragungen sind in der Orthodoxie weit verbreitet und zum Teil ins römische Kirchenjahr eingeflossen, z.B. die „Translatio“ der Gebeine des hl. Johannes Chrysostomos am 27. Januar. Im Abendlang wurde das sogar sein Hauptfest, während der christliche Osten des Kirchenvaters am 13. November gedenkt.

Als Märtyrer der west-östlichen Kirchenspaltung steht der hl. Josaphat nicht allein. Ihm sind unter Zarismus und Kommunismus viele weitere Bekenner des erneuerten Einswerdens der Kiewer Metropolie mit Rom gefolgt. Auf der anderen Seite fehlt es nicht an ebensolchen orthodoxen Märtyrern, in Weißrussland oder aus Siebenbürgen. Es war üblich, sie auf der Marienburg oder der Festung Kufstein zu Tod zu hungern, wenn sie die Union mit dem Papst nicht billigen wollten. An ihren Hunger knüpft heute von Istanbul ausgehend eine Fasten- und Gebetsliga zur Wiedererlangung der Einheit von Ost- und Westkirchen an. 

Gleich bei der Ankunft in Wien betonte Swjatoslaw Schewtschuk gegenüber kathpress die guten Beziehungen seiner Kirche zum Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel. Er hatte Bartholomaios I. nach seiner eigenen Erwählung von 2011 persönlich im Phanar aufgesucht, was als eine Art Antrittsvisite aufgefasst wurde. Tatsächlich versicherte schon damals der faktische Patriarch der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche dem Ökumenischen Patriarchen, dass er Konstantinopel als Mutterkirche liebt und achtet. Die „Kiewer Arbeitsgruppe“ zur Vorbereitung gleichzeitiger Communio der griechisch-katholischen Ukrainer mit Rom und Konstantinopel aus den 1990er Jahren wird gerade jetzt wiederbelebt.

Swatoslaw Schwetschuk wurde in Wien als „Seligkeit“ (Blazhenstwo) begrüßt, wie es die ostkirchliche Anrede für Patriarchen und geistliche Oberhäupter autokephaler Kirchen ist. Von Rom wird ihm der Patriarchenrang – noch – vorenthalten, seine offizielle vatikanische Titulatur lautet „Großerzbischof“. Im kompromiss- und titelfreudigen Österreich wurde er daher jetzt als „Großerzbischof – Patriarch“ angesprochen.

Der kräftig, aber zugleich verinnerlicht wirkende Schewtschuk gemahnt mit seinen 46 Jahren an den ebenfalls jung an die Spitze der ukrainischen Ostkatholiken berufenen großen Metropoliten von Lemberg, Andrey Scheptytsky (1865-1944), von dem in seiner stark latinisierten griechisch-katholischen Kirche die Wiedererweckung ihres byzantinischen Erbes eingeleitet wurde.

In seiner Ansprache beim Josaphat-Festakt im Erzbischöflichen Palais von Kardinal Christoph Schönborn wies Patriarch Swjatoslaw darauf hin, dass das ökumenische Werk der Einheit unter den Christen nicht nur kundige Theologen und einsatzfreudige Kircheführer, sondern vor allem „heilige Männer und Frauen“ braucht, die der Erfüllung dieses Gebotes von Jesus Christus ohne Furcht dienen und auch bereit sind, dafür ihr Leben zu geben.

Der Lemberger Kirchenhistoriker Prof. Oleh Turij erinnerte daran, dass der hl. Josephat nach seinem Blutzeugnis für die Brester Union von 1596 in Vitebsk zu einem „wandernden Heiligen“ geworden ist. Die  sterblichen Überreste wurden zunächst in seine Bischofstadt Polozk gebracht und dort verehrt. Da die in Polen-Litauen vordringenden Russen jedes Andenken an den „Unionsverführer“ auslöschen wollten, wurde sein unverwester Leib über verschiedene Orte nach Biala in Podlesien gebracht. Als 1875 Zar Alexander II. auch dort die unierten Katholiken in seine Reichsorthodoxie zwang, wurde der Sarg mit der Reliquie versteckt und eingemauert. Wie im Ersten Weltkrieg deutsche und österreichisch-ungarische Truppen Biala erreichten, aber während der russischen Brussilow-Offensive dessen neuerlicher Verlust drohte, wurde der hl. Josafat nach Wien gerettet. Nachdem aber 1945 die Rote Armee Wien eingenommen hatte und auch Stalin wie vor ihm die Zaren 1946 die griechisch-katholische Kirche auflöste, war das sowjetisch mitbesetzte Wien kein sicherer Zufluchtort mehr. 1949 wurden die Reliquie mit einem Kohlentransport nach Salzburg geschmuggelt und von dort von einem amerikanischen Militärflugzeug nach Rom gebracht. Seit November 1963 liegt der hl. Josafat im Petersdom. Prof. Turij schloss damit, dass der „Wanderheilige“ Josaphat mit seiner Reliquie ständig auf der Flucht sich in diesen Tagen von neuem Flüchtlingselend als besonderer Fürsprecher anbietet.

In diesem Zusmamenhang gab die Anwesenheit des Metropoliten von Aleppo, Jean-Clement Jeanbart, dem Wiener Josafat-Gedenken am Vorabend des Großangriffs der Assad-Truppen in der Ruinenstadt eine besonders dramatische Note. Die arabischen Melkiten sind nach den Ukrainern die größte griechisch-katholische Ostkirche in erneuerter Gemeinschaft mit Rom. Angeachtet seines französischen Namens ist Jeanbart ein echter Aleppiner, der 1995 nach dem Tod des als charismatischer Ökumeniker am II. Vatikanum hervorgetretenen Neophytos Edelby zum Oberhirten seiner Vaterstadt bestellt wurde. 1999 ernannte ihn der melkitische Patriarch von Antiochia, Maximos V. Saigh, zum Visitator für die europäische Diaspora. Niemand konnte damals ahnen, dass einmal der syrische Bürgerkrieg Hunderttausende Melkiten und andere Christen aus der Heimat vertreiben und auf überfüllten Boden und in Flüchtlingskolonnen Richtung Europa spülen wird. Dem Metropoliten standen in Wien Leid und Sorge ins Gesicht geschrieben. Dennoch zeigte er sich nicht vom Islamisten-Terror verbittert: „Lernen wir doch, Freunde unserer muslimischen Brüder zu sein; helfen wir ihnen, sich uns gegenüber zu öffnen!“

 πηγή öki

Rumänische Orthodoxie für weiteres Konzil

znqwxbvepi4d9d7e9d71276

 von Heinz Gstrein                                                       

 Bukarest. Die Vollversammlung der rumänischen Bischöfe (Synode) hat sich am letzten Oktoberwochenende für die Fortsetzung des konziliären Prozesses in der orthodoxen Kirchenfamiie ausgesprochen. Unter dem Vorsitz von Patriarch Daniel bekräftigte die Synode die vom „Heiligen und Großen Konzil der Orthodoxie“ vergangenen Juni auf Kreta beschlossenen Texte einschließlich des Ökumenismusdekretes „Beziehungen der orthodoxen Kirche zur übrigen christlichen Welt“. Auf diesen konziliären Anfang sollte ein weiteres derartiges Konzil folgen. Damit habe es aber keine Eile. Vielmehr sollte vorher die Teilnahme der auf Kreta abwesenden Kirchen (Antiochia, Moskau, Bulgarien, Georgien) für die Zukunft sichergestellt werden. Zu diesem Zweck müssten die vorliegenden Konzilstexte bei Bedarf erklärt, überarbeitet und neu formuliert werden.- Die rumänischen Bischöfe befassten sich auch mit den Aktivitäten vorgeblich „echt orthodoxer“, in Wahrheit jedoch sektiererischer Gruppen, die jeden Ökumenismus ablehnen (S. öki….). Die Synode beauftragte die einzelnen Bistümer, vor Ort gegen diese „Kirchenspalter“ vorzugehen und die Gläubigen über ihren häretischen Charakter aufzuklären.

πηγή öki

 

Estlands Orthodoxe zwischen Konstantinopel und Moskau

stefanos_of_tallinn

 von Heinz Gstrein                                         

 Tallinn. In Estland ist der Versuch zur Vereinigung der ohnedies nur 170 000 orthodoxen Christen in einer gemeinsamen Landeskirche gescheitert: Der Moskau unterstehende Metropolit Kornilij Jakobs von Tallinn hat den Vorschlag des Oberhirten der dem Ökumenischen Patriarchat angeschlossenen Estnischen Apostolischen Orthodoxen Kirche, Metropolit Stephanos Charalambides, zurückgewiesen, die kirchliche Einheit wiederherzustellen. Diese ist seit 1944 gestört, als die Anhänger der estnischen Eigenkirchlichkeit vor den Sowjets nach Schweden flüchteten. Mit Billigung Stalins wurde Estland wie in Zarenzeiten wieder der Russischen Orthodoxen Kirche zugeschlagen. Das Ökumenische Patriarchat, das 1923 nach der estnischen Unabhängigkeit von 1918 eine autonome Landeskirche sanktioniert hatte, stimmte 1978 deren Auflösung zu. Doch nach dem Wiedererstehen Estlands stellte Patriarch Bartholomaios I. die Konstantinopler Jurisdiktion wieder her. Es gab heftige Auseinandersetzungen mit dem Patriarchat Moskau. Schließlich wurde der vorläufige Kompromiss getroffen, in jeder Gemeinde über ihre kirchliche Zugehörigkeit abstimmen zu lassen. Seitdem gehören etwa zwei Drittel der estnischen Orthodoxen – die meisten von ihnen russischer Sprache – zur autonomen, der Rest blieb bei der russischen Kirche. Moskautreue Gemeinden finden sich in der und um die Hauptstadt Tallinn, im Osten Estlands sowie in der alten Universitätsstadt Dorpat (heute: Tartu).

Angesichts einer lutheranischen Bevölkerungsmehrheit und noch mehr von über einem Drittel kirchenkritischer Areligiöser ist die Spaltung der estnischen Orthodoxie ein Ärgernis, das ihrer Glaubwürdigkeit schadet. Darauf hat Metropolit Stephanos jetzt in seinem Aufruf zur Wiedervereinigung nachdrücklich hingewiesen. Was er vorschlug, war eine Lösung nach finnländischem Vorbild: Dort gibt es nur eine, autonome zu Konstantinopel gehörende orthodoxe Kirche, aber auch Einzelgemeinden des Moskauer Patriarchats. Der 92jährige Metropolit Kornilij, selbst Este und unter dem Sowjetregime verfolgt, verteidigte aber die weitere Zugehörigkeit zur russischen „Mutterkirche“. Wie alle anderen heute selbständigen Gebiete der ehemaligen Sowjetunion bleibe Estland kirchlich kanonisches Territorium des Moskauer Patriarchats, in dem Konstantinopel nichts verloren habe.

Πηγή öki

Besucheransturm und Motorisierung am Athos

2fce4d8200000578-3385149-image-m-47_1451991498430

 

 von Heinz Gstrein                                        

Karyes. 200 000 Pilger aus aller Welt, vor allem aber aus dem ehemaligen Ostblock, haben im orthodoxen Kirchenjahr 2015/16, das am 31. August des alten julianischen Kalenders (13. September) zu Ende ging, den Heiligen Berg Athos besucht. Unter ihnen Könige und Prinzen, Patriarchen, Politiker, der britische Thronfolger Charles. Wladimir Putin und Angehörige der Zarendynastie Romanow. Der große Rest unbekannte, unbenannte Wallfahrer, die aber neben ihren religiös-metaphysischen auch ganz menschliche Bedürfnisse haben. Diese versuchen in der Athos-Hauptstadt Karyes an der steingepflasterten Heilig-Geist-Straße über 20 recht weltliche Geschäfte und Lokale zu befriedigen. Da gibt es T-Shirts mit der Aufschrift „Orthodoxie oder Tod“ zu kaufen, Wodka oder Whisky, Kaviar und luftgetrocknete griechische Würste. Waren jahrhunderte lang die Geschäfte des Ikonenmalers, Statuenschnitzers, Rosenkranzknüpfers oder Schneiders von Kutten und liturgischen Gewändern die typischen Mönchsberufe, so sind heute die Taxi-Mönche dazugekommen. Von mehreren Standplätzen kann man über neue Straßen und Forstwege zu den 20 Klöstern und hunderten Klausen fahren, die früher nur mit Schusters Rappen oder bestenfalls auf Eselsrücken zu erreichen waren. Allerdings nur dann, wenn das nötige Kleingeld bei der Hand ist: Denn die Möänchs-Taxis haben gesalzene Preise, die in die Hunderte Euros gehen…

πηγή  öki

150 ΧΡΟΝΙΑ ΑΠΟ ΤΟ ΟΛΟΚΑΥΤΩΜΑ ΣΤΗΝ ΜΟΝΗ ΑΡΚΑΔΙΟΥ !

 

monastiri

 

von Panos Zacharias

Το Ολοκαύτωμα της Μονής Αρκαδίου ( 23 χιλιόμετρα έξω από την πόλη του Ρεθύμνου ) αποτελεί το σημαντικότερο γεγονός στην ιστορία της Κρητικής Επανάστασης (1866-1869) ενάντια στην Οθωμανική Αυτοκρατορία.

Η πολιορκία της Μονής από τους Τούρκους σημειώθηκε στις 8 και 9 Νοέμβριου με τον Μουσταφά Πασά να έχει 15.000 χιλιάδες στρατιώτες και τριάντα κανόνια έξω από την Μονή, απαιτώντας από τον ηγούμενο της Μονής (Γαβριήλ Μαρινάκη) να παραδοθεί. Ο ηγούμενος αρνήθηκε. Στην μονή υπήρχαν 259 πολιορκημένοι  και 700 γυναικόπαιδα.

Η επίθεση των Οθωμανών ξεκίνησε στις 8 Νοεμβρίου. Παρά τις ισχυρές επιθέσεις τους δεν κατάφεραν να καταλάβουν την Μονή. Στις 9 Νοεμβρίου οι Οθωμανοί εισέρχονται στον περίβολο της Μονής. Με αποτέλεσμα να ξεκινήσει μια μεγάλη σφαγή. Ο Κωστής Γιαμπουδάκης ανατίναξε την μπαρουτοαποθήκη της Μόνης. Σκορπίζοντας των θάνατο τόσο στους Έλληνες όσο και στους Οθωμανούς.

Αμέσως μετά, οι επιτιθέμενοι όρμησαν και κατέσφαξαν όσους είχαν διασωθεί, ενώ έκαψαν τον ναό και λεηλάτησαν τα ιερά κειμήλια.

Από τους Έλληνες που βρίσκονταν στη Μονή, μόνο τρείς κατόρθωσαν να διαφύγουν, ενώ περίπου 100 πιάστηκαν αιχμάλωτοι. Οι νεκροί και τραυματίες του Μουσταφά ανήλθαν σε 1.500. Το Ολοκαύτωμα του Αρκαδίου, όπως είχε συμβεί με την καταστροφή των Ψαρών και την Έξοδο του Μεσολογγίου, συγκίνησε όλο τον χριστιανικό κόσμο κι ένα νέο κύμα φιλελληνισμού δημιουργήθηκε στην Ευρώπη. Η UNESCO έχει χαρακτηρίσει την Μονή Αρκαδίου  Ευρωπαϊκό Μνημείο Ελευθερίας.

                                             Πως φτάσαμε στο Ολοκαύτωμα της Μονής?

 Ορόσημο για την έναρξη της Κρητικής Επανάστασης αποτελεί η Παγκρήτια Συνέλευση τον Μάιο του 1866. Η συνέλευση είχε σκοπό την παράδοση αιτημάτων στον Σουλτάνο που αφορούσαν: Βελτίωση φορολογίας για τους Χριστιανούς, Σεβασμό της Χριστιανικής θρησκείας, και την δυνατότητα ο τοπικός πληθυσμός να εκλεγεί ελευθέρα τους δημογέροντες του

Παράλληλα, Η συνέλευση απέστειλε μυστικό υπόμνημα προς τους μονάρχες των Μεγάλων Δυνάμεων (Αγγλία Γαλλία και της Ρωσία), με το οποίο τους καλούσε να ενεργήσουν για την ένωση της Κρήτης με την Ελλάδα ή να μεσολαβήσουν στη χορήγηση από τον Σουλτάνο «Οργανικού Νόμου». Στη συγκέντρωση αυτή συμμετείχε και ο Γαβριήλ Μαρινάκης, ηγούμενος της Μονής Αρκαδίου, που ήταν το επαναστατικό κέντρο της περιοχής Ρεθύμνης.

Οι Μεγάλες Δυνάμεις αδιαφόρησαν, ενώ η ελληνική κυβέρνηση δήλωνε ουδετερότητα και δεν πήρε ανοιχτά το μέρος των επαναστατών.

Μη αναμένοντας βοήθεια από πουθενά, οι Κρητικοί αποφάσισαν να ξεσηκωθούν μόνοι τους και ύψωσαν τη σημαία της Επανάστασης στις 21 Αυγούστου 1866, με το σύνθημα «Ένωσις ή Θάνατος» και αρχηγούς τον Ιωάννη Ζυμβρακάκη στα Χανιά, τον  συνταγματάρχη Πάνο Κορωναίο στο Ρέθυμνο και τον Μιχαήλ Κόρακα στο Ηράκλειο. Η Κρητική Επανάσταση υποχώρησε τον Ιανουάριο του 1869, αλλά ο Σουλτάνος δεν μπόρεσε να καθυποτάξει ολοκληρωτικά τους Χριστιανούς της Κρήτης. Έτσι, υπό την πίεση των Μεγάλων Δυνάμεων αναγκάστηκε να παραχωρήσει τον «Οργανικό Νόμο» (3 Φεβρουαρίου 1868), ένα είδος Συντάγματος, που προέβλεπε προνόμια για τους χριστιανούς και καθεστώς ημιαυτονομίας για το νησί. Η Ένωση της Κρήτης με την Ελλάδα συνέβη το 1912.

                                                       ΕΟΡΤΑΣΜΟΣ ΣΤΟ ΡΕΘΥΜΝΟ

Η 8η Νοέμβριου αποτελεί τοπική αργία για τον Νομό Ρέθυμνου. Στις 8.30 της 8ης Νοέμβριου θα τελεστή στην Μονή Αρκαδίου συνοδική Θεία Λειτουργία, παρουσία του Αρχιεπισκόπου Κρήτης Ειρηναίου και στις 09.30 θα γίνει η παρέλαση στη κεντρική λεωφόρο του Ρεθύμνου, τμημάτων Πολιτιστικών Φορέων, Σχολείων, Αντιπροσωπειών Ενόπλων Δυνάμεων και Σωμάτων Ασφαλείας με τη συμμετοχή της μπάντας της Φιλαρμονικής του Δήμου Ράθυμής. Μετά το πέρας της Παρέλασης στις 12:00 θα γίνει η επίσημη δοξολογία και επιμνημόσυνη δέηση με την παρουσία του Προέδρου της Δημοκρατίας, Προκοπή Παυλοπούλου . Στις εκδηλώσεις της επετείου θα συμμετάσχουν ο πρόεδρος της Νέας Δημοκρατίας Κυριάκος Μητσοτάκης καθώς και η πρόεδρος του ΠΑΣΟΚ, Φώφη Γεννηματά.

mona

 

( Η μπαρουτοαποθήκη της Μόνης, Όπου ανατίναξε ο Κωστής Γιαμπουδάκης , Σκορπίζοντας των θάνατο τόσο στους Έλληνες όσο και στους Οθωμανούς.)

Chalki: Leere Versprechen für Wiedereröffnung

1410halki-5

 von Heinz Gstrein                                     

Paphos/Saloniki. Eine Wiedereröffnung der seit 45 Jahren vom türkischen Staat unterdrückten Theologischen Hochschule von Chalki bei Istanbul wurde erneut auf zwei Veranstaltungen im zyprischen Paphos und dem nordgriechischen Saloniki gefordert. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I., prominentester Absolvent von Chalki, unterstrich in ergreifenden Botschaften, dass diese einzige Ausbildungsstätte für Geistliche und Theologen in der Türkei auch als gesamtorthodoxe Kaderschmiede „einfach unersetzbar“ bliebe. Er habe daher schon vor 25 Jahren bei Beginn seiner Amtszeit die Wiedereröffnung von Chalki zu seinem vorrangigen Anliegen gemacht. „ Es handelt sich um ein Recht unserer Kirche, das auch von niemand in Frage gestellt wird“. Die oft wiederholten Versprechen und Zusagen türkischer Politiker, die Hochschule endlich wieder zu zulassen, haben sich aber immer wieder als leere Wort erwiesen.

Die Unterstützungsversammlung auf Zypern erfolgte auf Initiative von Abt Dionysios vom Kloster Chrysorrogiatissa (Maria vom Goldenen Granatapfel). Er war einer der letzten, die in Chalki noch fertig studieren durften. Der designierte Dekan der Hochschule, Metropolit Elpidoforos Lambryniadis, berichtete von seinen Bemühungen, Chalki auch ohne offizielle Wiedereröffnung durch ökumenische Tagungen, Seminare, Ausstellungen usw. neues Leben ein zuhauchen. So konnte auch die Hilfe der Bayerischen Staatsbibliothek in München bei Restaurierung der wertvollen Handschriftenbestände der Fakultät sichergestellt werden.

Im Opernhaus von Saloniki stellte Metropolit Elpidoforos dann einem breiteren Publikm die Pläne für eine Modernisierung der Baulichkeiten und Einrichtungen von Chalki vor. Diese stammen noch von der vorletzten Jahrhundertwende. Insbesondere sollen die alten Schlafsäle der Studierenden durch Einzelzimmer ersetzt und der gesamte Studienbetrieb digitalisiert werden: „Das neue Chalki muss den heutigen Standards gerecht werden.“

  πηγή öki                 

 

Spiritualität aus Griechenland für Mitteluropa

von Heinz Gstrein

St. Andrä im Seewinkel des österreichischen Burgenlands war bisher nur Geheimtip für Liebhaber fruchtiger Rotweine und Besucher auf seinem familienfreundlichen Campingplatz. Seit diesem Oktober hat der sonst eher verschlafene Marktflecken aber eine richtige Sehenswürdigkeit: das erste griechische Kloster von ganz Mitteleuropa.

Seine fünf Mönche von der Chalkidike waren schon vor zwei Jahren dem Ruf des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. gefolgt, als dieser am 11. November 2014 im Grenzland zwischen Österreich und Ungarn den Grundstein für das Kloster Maria Schutz (Skepi tis Panagias) legte. Auf einem Grundstück, das vom römisch-katholischen Bischof des Burgenlands gestiftet war, Ägidius Zsifkovics. Seine Familie hatte im alten Österreich eine ganze Reihe orthodoxer Metropoliten mit demselben südslawischen Namen hervorgebracht. Jetzt wollte Zsifkovics in seiner Diözese orthodoxe Spiritualität und griechisches Mönchsleben heimisch machen. Zwar gibt es in Deutschland, Frankreich und Italien schon einige russische oder serbische Klöster und Klausen. „Hagia Skepi“ am Zicksee ist jedoch die einzige griechische Kommunität im Zentrum Europas.

Nicht nur darin liegt ihre Einzigartigkeit: Abt Paisios Jung, der aus der deutschen orthodoxen Diaspora stammt, und seine Mitbrüder sind bestrebt, ins weitgehend verweltlichte, ja entchristlichte Abendland den Geist und das Beispiel eines der größten Heiligen zu tragen, den Griechenland im 20. Jahrhundert hervorgebracht hat: des Hl. Paisios vom Berg Athos (1924-1994). Er hatte im  griechischen Bürgerkrieg als Funker gedient und später die Sendung des orthodoxen Mönchs so beschrieben: Wie der Funker im Kampf rettende Hilfe herbeiruft, so funken mit ihren Gebeten die Mönche den Menschen himmlischen Beistand in all ihren Nöten herab. Jedes Kloster ist daher ein Segen für seine ganze Nachbarschaft.

Die Menschen von St. Andrä scheinen das bereits zu spüren: Die ganze Gemeinde mit dem Bürgermeister an der Spitze fand sich zum ersten Feiertag der Hagia Skepi in dem eben vollendeten griechischen Kloster ein und die Schützenmusik spielte auf, als Metropolit Arsenios Kardamakis von Austria den griechischen Festgottesdienst zelebrierte.

Der Metropolit ist seiner Klostergründung besonders verbunden. Trägt er doch den Namen von Hagios Arsenios dem Kappadokier (1840-1924), der den hl. Paisios getauft hatte.

Ein „Fall Odessa“ gegen Patriarch Bartholomaios I. Interorthodoxes Intrigenspiel um Autokephalie der Ukraine

oikoumenikos-rwssias-840x440

 

Von Heinz Gstrein

Istanbul. Mit zunehmender Verschärfung der Gegensätze zwischen Kreml und Washington im Syrienkonflikt und anderen Bereichen mehren sich auch Vorwürfe aus der Russischen Orthodoxen Kirche gegen den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., von politischer und finanzieller Unterstützung Washingtons für den Phanar und damit von US-Weisungen abhängig zu sein.

Derartige Behauptungen tauchten erstmals im Vorfeld des orthodoxen Konzils von Kreta im Juni auf. Sofort, nachdem dessen Organisation der Griechisch-Orthodoxen Erzdiözese von Amerika in New York anvertraut wurde, war in Moskau von „amerikanischen Einflussagenten hinter dem Konzil“ die Rede. Der sich als „orthodox“ bezeichnenden Sender „Zargrad TV“ (deutsch: Kaiserstadt, gemeint Konstantinopel) wies darauf hin, „es sei ja kaum ein Zufall, dass ein griechischer Priester aus den USA, Alexander Karloutsos, der zum Organisationskomitee des Konzils gehört, ein Nachbar des US-Milliardärs George Soros sei und gute Beziehungen zu Hillary Clinton unterhalte.“

„Zargrad“ wurde 2015 vom Putin-treuen Oligarchen Konstantin Malofejev gegründet. Der erst 39jährige Chef des russischen Investmentfonds „Marshall-Capital“ outet sich über den Sender als „orthodoxer Monarchist“, und will die postkommunistische „Russländische Föderation“ zum „Rechtsnachfolger des Zarenimperiums“ erklären. Kirchenpolitisch unterstützt der Oligarch einen Führungswechsel in der orthodoxen Kirchenfamilie zugunsten des Moskauer anstelle des Ökumenischen Patriarchen.

Weitere, noch hinterhältigere Vorwürfe gegen diesen verbreitete Ende August das russische Kirchenportal „pravoslavie.ru“. Es unterstellte Bartholomaios I., im Einvernehmen mit dem amerikanischen Geheimdienst CIA in den türkischen Umsturzversuch gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan vom 15. Juli verwickelt gewesen zu sein.

Kaum sind diese für den Ökumenischen Patriarchen bedrohlichen Behauptungen widerlegt, meldet sich Anfang Oktober aus Kiew Presseamtsleiter Vasily Semjonovitsch Anesimov von der moskautreuen autonomen Ukrainischen Orthodoxen Kirche mit einer neuen schweren Anschuldigung zu Wort: Bartholomaios lasse sich seine Haltung zur Jurisdiktionsfrage in der Ukraine von der US-Diplomatie diktieren.

Anisimov – der nicht mit dem gleichnamigen, in der Schweiz lebenden Milliardär zu verwechseln ist – greift dabei weit auf angebliche Vorgänge vom Herbst 1997 in Odessa zurück. Er bezieht sich „auf ein Treffen des damaligen russischen Patriarchen Aleksij II. mit Bartholomaios und Ilija II.“ Es sei geplant gewesen, dass die drei Patriarchen eine gemeinsame Erklärung zur Bekräftigung der alleinigen kirchlichen Zuständigkeit der Russischen Orthodoxen Kirche in der Ukraine mit Verurteilung des abgespaltenen „Kiewer Patriarchats“ unterzeichnen und anschließend auf einer Pressekonferenz bekanntgeben. Doch habe der damalige US-Botschafter in Kiew, William Green Miller, den Ökumenischen Patriarchen angerufen und „in einer zynischen und Bartholomaios demütigenden Form“ dessen Verzicht auf diese Positionierung befohlen. Der Diplomat soll darauf hingewiesen haben, dass der Phanar ohne die Amerikaner nicht überleben könne, diese wiederum das antirussische Kiewer Patriarchat unterstützen. «Mit einem einzigen Anruf verhinderten die USA die Überwindung des Kirchenschismas!“, behauptet heute nach 19 Jahren plötzlich Vasily S. Anisimow.

Journalisten, die damals Patriarch Bartholomaios I. auf seiner in erster Linie dem Umweltschutz gewidmeten Schiffsreise rund ums Schwarze Meer begleitet haben, erinnern sich an keine derartigen Ereignisse oder auch nur Anzeichen dafür. Patriarch Ilia II. war schon im georgischen Batumi an Bord gekommen, die Landung in Noworossijsk galt dem dortigen Erdölterminal und seinen ökologischen Auswirkungen. Auf der Krim hingegen kam es anschließend zu spontanen Jubelkundgebungen von zahlreichen orthodoxen Gläubigen samt ihren Priestern. Sie begrüßten Bartholomaios als „unseren Patriarchen!“

Danach schien in Frage gestellt, ob es überhaupt zur in Odessa geplanten Zusammenkunft mit dem Moskauer Patriarchen Aleskij II. kommen werde. Beide hatten sich zuletzt Ende September 1995 auf Patmos getroffen und dabei ihre Meinungsverschiedenheiten wegen der Jurisdiktion über Estland hintangestellt. Die Begegnung von Odessa kam doch zustande, verlief aber in unterkühlter Atmosphäre. Bartholomaios hatte schon am Vorabend an der Schiffstafel durchblicken lassen, dass er nun massiven Druck seines russischen Amtsbruders in Sachen Ukraine befürchte. Nach dem ersten Gespräch der beiden Patriarchen unter vier Augen zeigte sich der Ökumenische Patriarch recht niedergeschlagen: „Wer weiß von meinem Martyrium!“, flüsterte er in der Dreifaltigkeitskirche am Kenotaph seines 1821 in Istanbul gehängten Vorgängers Gregorios V., dessen sterbliche Überreste nach Odessa gelangt waren, bevor sie 1871 endgültig in Athen beigesetzt wurden. Die Abendveranstaltung im Priesterseminar am Maria-Himmelfahrtskloster verlief distanziert, es war allen klar, dass Bartholomaios dem Drängen von Aleksij nach einseitiger Festlegung im Ukraine-Disput nicht nachgegeben hatte. Er ließ sich vielmehr alle Optionen offen, wie das bis heute der Fall ist.

Vasily S. Anisimov, der sich jetzt als Enthüllungsjournalist des angeblichen „US-Diktats von Odessa“ vordrängt, ist in dieser Hinsicht kein unbeschriebenes Blatt: 1959 bei Tscherkassy am Don geboren wurde in seiner Jugend noch von der Kommunistischen Jugend Konsomol geprägt, für die er auch frühe journalistische Arbeit leistete. Bald nach der Wende tat er sich in den frühen 1990er Jahren als scharfer Gegner einer Verselbständigung der ukrainischen Orthodoxie vom Patriarchat Moskau hervor. Er machte dann aber im politisch-wirtschaftlichen Journalismus Karriere. Doch nach dem russischen Machtwechsel zu Putin wurde Anisimov 2001/2002 überraschend in Kiew an die Spitze des Presseamtes der Moskau ergebenen „autonomen Kirche“ katapultiert. Sonst ist es üblich, dass dieses Amt von einem auch theologisch gebildeten Geistlichen ausgeübt wird.

Der schnurrbärtige Altkomsomolze fungiert hingegen seitdem als rein politischer Agitator im Kremlinteresse. Er bekämpfte die „Orange Revolution“ von 2004 ebenso wie den prowestlichen Präsidenten Viktor Juschtschenko. Noch 2012 wandte er sich gegen das „rechtsradikale Nationalistentrio aus Julia Timoschenko, dem griechisch-katholischen Kardinal Lubomir Husar    und dem mit Moskauer Bannfluch belegten Kiewer Patriarchen Filaret Denisenko“. Während der „Maidan“-Proteste von 2014 warf Anisimov den mit Rom unierten ukrainischen Ostkatholiken vor, dort „revolutionäre“ Gebetstexte verteilt zu haben. Als die Kiewer Rada (Parlament) im Juni 2016 an den Ökumenischen Patriarchen mit der Bitte herantrat, der ukrainischen Orthodoxie die kirchliche Unabhängigkeit (Autokephalie) zu verleihen, rief Anisimov die Staatsanwaltschaft zur Bestrafung der Abgeordneten an.

In all diesen Fällen wie auch bei der neuesten Attacke gegen Patriarch Bartholomaios I. wegen angeblicher US-Hörigkeit bediente sich der ukrainische Kirchensprecher ein- und desselben Verbreitungsweges: Er verkündet seine Tiraden zunächst nicht etwa in Kiew, sondern über den russischen Privatsender „Radio Radonezh“, der 1992 mit dem Segen von Patriarch Aleksij II. ins Leben gerufen wurde. Dann übernimmt die Nachfolgerin der sowjetischen TASS, die russische Agentur Interfax, diese Auslassungen in ihrem Dienst „Religion“. Dadurch erhalten sie einen offiziösen Moskauer Anstrich, was auch westliche Agenturen verleitet, die Behauptungen von Anisimov ungeprüft weiter zu verbreiten. So auch beim letzten „Fall Odessa“ zu Lasten des Ökumenischen Patriarchen.

Dieser hat dem Vernehmen nach auf diese Anschuldigung mit Empörung und Abscheu reagiert. Ihm nahestehende Kreise des Phanar bringen die neueste russische Attacke mit zwei Faktoren in Zusammenhang: Erstens wolle das Moskauer Patriarchat von der eigenen Belastung durch den Vorwurf seiner Staats- und besonders Putin-Nähe ablenken. Zweitens wird demnächst – angekündigt schon für Ende September – die Antwort Konstantinopels auf die Autokephalie-Bitte der  ukrainischen Rada erwartet. Anisimov versucht diese schon im voraus mit dem Verdacht zu entwerten, dass es sich dabei um keinen freien Entscheid der gesamtorthodoxen Höchstinstanz, des Ökumenischen Patriarchats, sondern um einen im US-State Department vorgefassten Beschluss handeln wird.

πηγή öki

Wiener Dialogzentrum: Religionsgemeinschaften helfen Geflüchteten

inauguration_day

Das Wiener internationale Dialogzentrum KAICIID ruft dazu auf, religiöse Organisationen und religiöse Würdenträger weltweit stärker in die Bemühungen zur Lösung der Herausforderungen im Zusammenhang mit Flucht und Vertreibung sowie Menschenhandel einzubinden. Das Dialogzentrum wird vom Ökumenischen Patriarchat mitgetragen. Es ist im vorstand durch Metropolit Emmanuel Adamakis von Frankreich vertreten-
Religiöse Würdenträger hätten das Vertrauen und den Respekt ihrer Gemeinden und damit den nötigen Zugang zu den Menschen, um die Situation für die Betroffenen zu verbessern, betonte KAICIID-Generalsekretär Faisal Bin Muaammar am Mittwoch in einer Presseaussendung. Religionsgemeinschaften seien im Kampf gegen Vorurteile aktiv, unterstützten die Integration und setzten friedensbildende Maßnahmen, so Muaammar. «Millionen Menschen, die heute Leid erfahren, können von ihrer Motivation, ihrem Engagement und ihren Erfahrungen profitieren.»

Der KAICIID-Generalsekretär nahm in der vergangenen Woche an einer Konferenz in New York teil, die an den jüngsten UN-Flüchtlingsgipfel anschloss. Zu der Konsultation unter dem Titel «Zeugnis ablegen: Kampf gegen Menschenhandel und Zwangsmigration» hatte das Dialogzentrum im Verbund mit Weltkirchenrat und dem Büro des UN-Sonderbeauftragten zur Prävention von Völkermord, Adama Dieng, Vertreter von internationalen Organisationen, Regierungen und aus der Zivilgesellschaft eingeladen.

Dabei gab es u.a. zahlreiche Berichte aus den Herkunfts-, Übergangs- und Gastländern der Flüchtlinge. So schilderte etwa der Pariser Exarch des ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel, Metropolit Emmanuel Adamakis, die Arbeit religiöser Organisationen in der Flüchtlingshilfe in Italien. Er berichtete zudem über Griechenland, wo die Bürger zusammen mit Staat und Kirche eine Million Menschen, die aus Krisenherden im Nahen Osten, Afrika und Asien geflüchtet sind, großzügig aufgenommen hätten. Adamakis unterstrich zudem die aktive Rolle der orthodoxe Kirchen in der Bewältigung der Krise und forderte zu mehr Synergien und Kooperation zwischen den religiösen und internationalen Organisationen auf.

πηγή  KAP/ Hephaestus Wien