Wandlungsfähige russische Gemeinde Zürich Patriarch Kyrill: Aufruf zu Standhaftigkeit für christliche Wahrheiten und Werte.

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Patriarch Kyrill. I in der Russisch-orthodoxen Auferstehungskirche Zürich | © 2016 Georges Scherrer

Von Heinz Gstrein

Zürich. Patriarch Kyrill von Moskau und der ganzen Rus’ hat nach Einweihung seiner neuen Kathedrale in Paris (öki 49 vom 6.12.2016, S. 10) persönlich an den Feiern zum 80jährigen Bestehen der russischen Auferstehungspfarrei in Zürich teilgenommen. Er ist seit langem dieser Kirche verbunden, die ihrerseits unter den Auslandsgemeinden des Patriarchats besondere Bedeutung erlangt hat.

Kyrill I. traf am 6. Dezember mit seinem ganzen Pariser Gefolge aus acht Bischöfen – unter ihnen Erzbischof Theophan Galinskij von Berlin – und anderen Klerikern in Zürich ein. Dort fand am Abend  ein Festkonzert in der Schweiz wirkender russischer Künstlerinnen und Künstler im Grossen Saal des Konservatoriums statt.

Zur vom Patriarchen am 7. Dezember in der Auferstehungskirche gefeierten Göttlichen Liturgie stauten sich die Gäubigen zu Hunderten bis auf die Stiegen und die Straße hinaus. Atemlose Stille trat ein, als Kyrill ein Gebet um Frieden für die Ukraine anstimmte. Mit ihm konzelebrierten seine Bischöfe, aber auch der Schweizer Metropolit vom Ökumenischen Patriarchat, Jeremias Kaligiorgis. Das beweist die Einheit der Orthodoxie ungeachtet periodischer Spannungen zwischen den Kirchen von Moskau und Konstantinopel. Schon in Paris war positiv registriert worden, dass auch der Exarch der dortigen Exilrussen, Erzbischof Jean Renniteau, an der Weihe der vierkuppeligen Kathedrale neben dem Eiffelturm teilnahm. Seine Gemeinschaft hat sich als einzige noch nicht wieder der russischen Mutterkirche angeschlossen, sondern hält sich an den Ökumenischen Patriarchen. Aus den christlichen Schwesterkirchen waren in Zürich vertreten das Präsidium der römisch-katholische Bischofskonferenz der Schweiz und zwei Weihbischöfe, für die Altkatholiken der christkatholische Bischof von Bern, Harald Rein, sowie die Ökumene-Beauftragte der Reformierten Kirche, Bettina Lichtler.

In seiner Festpredigt erinnerte Kyrill daran, wie er vor 45 Jahren als eben ernannter Vertreter des Moskauer Patriarchats beim Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) in Genf zum ersten Mal die Züricher Gemeinde besucht hatte. Damals gehörten ihr nur wenige Pfarrkinder an. Doch war es dann das Verdienst des Pfarrers und späteren Bischofs Serafim Rodionov, seine Herde vervielfacht und über die ganze Schweiz ausgedehnt zu haben. Die heutige Gemeinde – so Kyrill – sei beispielhaft für russisches orthodoxes Leben in Westeuropa.

Dann ging der Patriarch auf grundsätzliche Fragen christlichen Glaubens und Lebens in unseren Tagen ein. Der heutige Mensch spürt bei allem Komfortstreben im Herzen unauslöschlich die Sehnsucht nach Erfüllung in Gott. Zum Festtag der hl. Märtyrer Jekaterina und Merkurij nach dem julianischen Kirchenkalender erinnerte Kyrill an die Vielzahl orthodoxer Blutzeugen unter dem Sowjetkommunismus. Heute sind wir mit derselben Ausdauer und Leidensbereitschaft zu einem anderen Martyrium und Zeugnis berufen: Uns in einer weniger ungläubigen, als religiös gleichgültigen, säkularisierten  Umwelt zu den Wahrheiten und Werten des christlichen Glaubens zu bekennen. Kraft für dieses aktuelle Blutzeugnis schenkt uns gemeinsames Gebet, das uns über die sozialen, politischen  und nationalen Grenzen hinweg in eine Familie zusammenschließt.

Die 8ojahr-Feier der russischen Kirchgemeinde von Zürich fand ihren Abschluss bei einem Kinderfest mit Musik, Gesang, Tanz, Theaterspiel und einer großen Geburtstagstorte mit 80 Kerzen. Die frohe Jugend zeigte lebendig den Wandel von der einstigen Emigrantengemeinde, die mit immer weniger alten Mitgliedern dem Aussterben entgegenzitterte.

Orthodoxe Russen von Zürich und Umgebung hatten schon 1933 eine erste Pfarrei im Schoß der damals auch politisch antisowjetischen „Auslandskirche“ gegründet. Daher wechselte ein Teil von ihnen – die ursprüngliche Gemeinde besteht unter dem Namen „Pokrov“ bis heute weiter – 1936 als Kirchgemeinde der Auferstehung Christi in Zürich“ unter die Jurisdiktion des Erzbischofs Evlogij Georgievskij, der sich Konstantinopel unterstellt hatte. Mit ihm kehrte auch seine Pfarrei in Zürich 1945 ins Moskauer Patriarchat zurück.

Von den Jurisdiktionswechseln geschwächt konnte sich die Gemeinde nun ruhig entwickeln.. Die Moskauer Kirche gewährte schon unter sowjetischer Herrschaft ihren Auslandsgemeinden erfreuliche Entfaltungsfreiheit. Zum Aufschwung trug ab 1949 in erster Linie die Persönlichkeit von Abt . später Bischof und Erzbischof, Seraphim Rodionov bei. Er konnte in den 45 Jahren seines seelsorglichen Wirkens immer mehr ihren Kirchen entfremdete – meist reformierte – Schweizerinnen und Schweizer für die Orthodoxie gewinnen. Aus ihren Reihen kam bald auch Nachwuchs für die Geistlichkeit und zuletzt sogar ein orthodoxes Kloster. Zur zweiten Säule der aufstrebenden Auferstehungsgemeinde wurde die gebürtige Russin Ljuba Manz-Lurje, verheiratet mit einem Schweizer Großhotelier. Sie unterstützte die Pfarrei finanziell und stellte die Räume ihres Luxushotels an der Bahnhofstrasse von Zürich für deren Veranstaltungen zur Verfügung. Außerdem stiegen dort die Größen des russischen Patriarchats bei ihren Aufenthalten in der Schweiz ab. Hier auf neutralem Boden wurden auch öfters Verhandlungen zwischen Moskau und Konstantinopel in strittigen Jurisdiktionsfragen geführt, so zuletzt 2003 in Sachen Estland und Ukraine. Jetzt hat Patriarch Kyrill Frau Manz in Anerkennung ihrer langjährigen Verdienste mit dem Orden der Apostelgleichen Fürstin Olga III. Klasse ausgezeichnet.

Nach der Wende kamen wieder und jetzt zahlreiche Russen in die Schweiz, besonders in den Raum Zürich. Im Unterschied zu den meisten anderen Auslandsgemeinden, wo es bald zu oft schweren Spannungen zwischen den alteingesessenen Emigranten samt ihren Nachkommen und den eintreffenden „Neurussen“ kam, wurde das in der Auferstehungsgemeinde durch die starke Schweizer Präsenz als ausgleichender Faktor verhindert. Besonders, nachdem der um die Pfarrei verdiente Schweizer Daniel Schärer zum Gemeinde-Präsidenten (Starosta) gewählt worden war.

Das bisher kleine Gotteshaus in einer Zweiwimmerwohnung platze bald aus allen Nähten. Doch konnte 2001 das aufgelassene Zentrum der Schweizer Chrischona-Gemeinde erworben und zu einer größeren Kirche samt Gemeinderäumen umgebaut werden. Prächtige Ikonen und Mosaiken wurden angebracht. All das ermöglichte ein damals noch ungenannter Spender. Die Kirchweihe wurde 2002 vom heutigen Patriarchen Kyrill vollzogen, damals noch Leiter des Kirchlichen Moskauer Außenamtes. Diesmal hat er den am Zürichsee niedergelassenen russischen Großunternehmer Vassilij V. Anisimov als „Stifter“ ausgezeichnet und so das Geheimnis um den „anonymen“ Sponsor von damals gelüftet. Auch Frau Jekaterina V. Anesimova bekam einen Orden, der hl. Olga II. Klasse. Sie ist zur Wohltäterin der Gemeinde und ihrer bedürftigen Mitglieder geworden.

Patriarch Kyrill genoss in Zürich im Kreis seiner Gläubigen sichtlich die Gelegenheit, weniger den mächtigsten Kirchenfürsten der gesamten Orthodoxie zu repräsentieren, als sich von seiner menschlichen Seite zu zeigen: Er spendete selbst allen, die Kleinkinder im Arm ihrer Mütter eingeschlossen, die heilige Kommunion, plauderte leutselig mit Jung und Alt, war sogar beim offiziellen Bankett im historischen Zunfthaus „Zur Zimmerleuten“ in der Altstadt fröhlich und ungezwungen. Ein russischer Patriarch, wie man ihn so nur aus der Nähe erlebt…

 Öki

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