Maria Vassilakou:Ich war immer Lokalpolitikerin mit Leidenschaft und das bleibe ich auch.

 

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von Georg Gstrein

1.     Frau Maria Vassilakou, was sind ihre vordringlichen Anliegen für die verbleibende Amtseit als Wiener Vizebürgermeisterin und geschäftsführende Stadträtin?

Zentral ist, das Wien lebenswerter und sozialer zu machen. Dazu bauen wir an neuen Stadtteilen mit leistbaren Wohnungen für tausende Menschen, dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs mit Straßenbahnen und U-Bahnen und die Errichtung eines verkehrsberuhigten Zentrums für jeden der 23 Wiener Bezirke.

 

  1. Eines Ihrer „grünen“ Hauptprojekte war die Umwandlung der Mariahilferstraße in eine Fußgänger- bzw. Begegnungszone. In Athen hatte das bei der Odos Ermou die Folge, dass eine vorher blühende Geschäftsstraße so gut wie ruiniert wurde. Wie schaut es diesbezüglich in Wien aus?

Die Mariahilfer Straße floriert. Jede Woche eröffnen neue Geschäfte – und das nicht nur in der Straße selbst sondern auch in den umliegenden Seitengassen. Uch f sie Einkaufsstraße Jeder Cent, der in die Mariahilfer Straße investiert wurde, hat sich ausgezahlt. Die Ermou funktionierte auch bis zur griechischen Krise und heute hat sie Schwierigkeiten wie alle griechischen Einkaufsstraßen, aber wenn ich sie vergleiche etwa mit Stadiou oder Panepistimou, dann geht’s der Ermou um Längen besser genauso wie der Ailou.

 

  1. Sie lieben die Radfahrerinnen und Radfahrer, aber auch ihren Hund Rico. Haben Sie als Vizebürgermeisterin auch etwas für die Hundeeltern von Wien getan?

 Mein Einsatz für Hunde und ihre Besitzer geht Jahre zurück. Wesentlich finde ich, dass es Wien geschafft hat, die Stadt sauber zu halten ohne dabei Brachialstrafen wie andere Städte zu erlassen oder die Hundebesitzer zusätzlich finanziell zu belasten. Die großen Wiener Freiräume und Grünräume werden von allen gleichermaßen genossen.

 

4.     Die heutige Grüne Alternative vereint rein ökologische Anliegen mit gesellschaftspolitischen Reformanliegen. Würden Sie die gleichgeschlechtlichen Pärchen auf Verkehrsampeln dazu zählen?

Die Ampelpärchen entstanden als Teil einer Verkehrssicherheitskampagne rund um das Thema Stehenbleiben an der Ampel, was leider immer Fußgänger ignorieren. Dass es gelungen ist, das mit einer gesellschaftspolitischen Aussage für mehr Akzeptanz für Liebende war ein geniale Idee, die Wien weltweite Aufmerksamkeit und unbezahlbare Stadtwerbung gebracht hat. Das freilich ist eins aus unzähligen Projekte meiner als Verkehrsstadträtin in den letzten Jahren und hat recht wenig mit den großen gesellschafts- und umweltpolitischen Anliegen der Grünen.

 

5.     Bei der Nachwahl in der Wiener Leopoldstadt vom September haben die Grünen die dort lang vorherrschenden Sozialdemokraten (SPÖ), doch vor allem die Freiheitlichen (FPÖ) überrundet, die zur gezielt zur Eroberung dieses II. Bezirks angetreten waren. Sehen sie darin ein gutes Omen für die österreichische Präsidentenwahl am 4. Dezember, bei der sich der grüne Alexander Van der Bellen und der Freiheitliche Norbert Hofer gegenüber stehen?

Alexander Van der Bellen wäre ein hervorragender Bundespräsident für Österreich – integer, aufrichtig, international und mit einer Vision für das Land. Und er hat schon einmal gewonnen, nun geht es darum, dass wir ihn bestätigen. All jene, die ein Österreich wollen, dass mutig in die neuen Zeiten geht, wählen am 4. Dezember Van der Bellen. Von der Leopoldstadt auf die Bunndespräsidentschaftswahl zu schließen wäre falsch. In der Demokratie gibt es keinen selbstverständlichen Fortschritt. Man muss dafür kämpfen.

 

  1. Beim Europäischen Gerichtshof ist eine Anfechtung der Annullierung der Bundespräsidentenstichwahl vom Mai anhängig. Die Entscheidung wird aber nicht vor einem halben Jahr erwartet. Was wird ihre Partei unternehmen, falls am 4. Dezember Hofer gewinnt, doch dann europäisch van der Bellen als rechtmäßiges Staatsoberhaupt bestätigt wird ?

Der nächste Bundespräsident wird Alexander Van der Bellen heißen. Genau damit es keine Diskussionen dieser Art gibt, kann ich nur aufrufen: Nehmen Sie an der Wahl teil, wählen Sie Van der Bellen.

 

7.     Die Grünen sind heute nicht nur in Wien, sondern ebenso in anderen Bundesländern Mit-Regierungspartei. Würden Sie auf Landes- oder Bundesebene auch eine Koalition mit der FPÖ eingehen?

Nein. Es gibt nichts Gemeinsames mit der FPÖ. Die Grünen kämpfen für:  Umweltschutz, für den Ausbau der sozialen Sicherheit, für gleiche Rechte und mehr Demokratie. Die FPÖ ist ein Synonym für Korruption, Sozialabbau, Ausgrenzung und Hetze.

 

  1. Hätten Sie in der Zukunft zwischen den Posten einer Wiener Vizebürgermeisterin und einer österreichischen Vizekanzlerin oder gar Bundeskanzlerin zu wählen: Was würden Sie vorziehen? Es wurde Ihnen ja schon 2009 das Amt der griechischen Umweltministerin angeboten, Sie hielten aber Wien die Treue…

 Ich war immer Lokalpolitikerin mit Leidenschaft und das bleibe ich auch.

 

9.      Frau Vizebürgermeister, die „Grünen“ hatten von Anfang an in ihren Reihen der Vertretung von Minderheiten wie z.B. der Kärntner Slowenen und ebenso von Österreicherinnen und Österreichern mit Migrationshintergrund Raum gegeben? War das für Sie ein Grund, ausgerechnet grüne Politikerin zu werden?

Mein erstes politisches Engagement während meiner Studentenzeit war in der sozialen und in der Menschenrechtsbewegung. Dort waren die Grünen von Beginn an aktiv, da war es nur logisch, dass ich mich ihnen anschließe. Ich bin stolz auf die Grünen, weil sie auch nach mehreren Jahren in der Regierung keinen Millimeter von diesen Überzeugungen abrücken.

 

10.Seit 30 Jahren sind die Grünen im österreichischen Parlament vertreten. Ihr Widerstand gegen das Atomkraftwerk Zwentendorf und die Zerstörung der Donau-Auen hatte zu diesem Aufstieg entscheidend beigetragen. Was betrachten Sie als die wichtigsten grünen Erfolge seit 1986?

Die österreichische und die europäische grüne Bewegung hat unglaublich viel erreicht. Ohne sie gäbe es kein Klimaabkommen von Paris, kein Aufblühen des biologischen Landbaus, keine Paradigmenwechsel in der Verkehrspolitik, keine Wende hin zu Erneuerbaren Energien und vieles andere mehr. In Österreich kommen hinzu mehrere Untersuchungsausschüsse, die dazu beigetragen haben, dass Korruption bekämpft und das Handeln der Politik transparenter wurde. Schließlich stellt der Einzug in sechs Landesregierungen in den letzten Jahren die beste Bestätigung dieser Leistung dar.

 

  1.  Bei ihrem letzten Besuch in Athen haben Sie mit Bürgermeister Georgios Kaminis ein Freundschaftsabkommen unterzeichnet. Was beinhaltet dieses?

 Das Kooperationsabkommen zwischen Athen und Wien betrifft insbesondere die Bereiche Stadtentwicklung, Verkehr und ökologische Nachhaltigkeit sowie Tourismus und City-Branding. Nun arbeiten wir daran, konkrete Projekte zu entwickeln, die gemeinsam umgesetzt werden können. Davon profitieren beide Städte, weil immer voneinander lernen kann.

 

  1.  Stimmt es, dass Wien grundsätzlich keine Städtepartnerschaften eingeht?

 Ja, Wien geht keine neuen Städtepartnerschaften ein, weil diese alten Abkommen nur formal sind und kaum konkrete Zusammenarbeit beinhalten. Deshalb ziehen wir konkrete Kooperationsabkommen vor, die beiden Seiten auch etwas bringen.

 

  1.  Wie haben Sie Ihre Geburtsstadt Athen bei diesem ihrem letzten offiziellen Besuch gefunden?

 Voller Leben, stark verjüngt, so verstaut wie eh und je, eine der spannendsten europäischen Metropolen für Touristen, aber leider ein hartes Pflaster für die Athener, die täglich ums finanzielle Überleben ringen müssen. In Athen steckt unendlich viel Potential. Die Sparpolitik seit Beginn der Krise nimmt einem aber die Luft zum Atmen.

 

  1.  Welche Gründe machen für Sie den griechischen Fußballklub AEK zu Ihrem besonderen Favoriten?

 Den Grund weiß ich schon lange nicht mehr. Ich habe mich für sie entschieden mit 9 Jahren. So bin ich halt, ich bin eine treue Seele. Die vielen Meisterschaftstitel können es wohl nicht sein.

 

15. Der „grüne“ Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hat eben sein 25jähriges Amtsjubiläum gefeiert. Wie beurteilen Sie als Grüne seine ökologischen Initiativen?

Sie sind gut und hilfreich. Klimaschutz und Umweltschutz sind ein fundamentales Recht aller Menschen und künftige Generationen haben ebenso das Recht auf eine intakte und gute Welt. Wenn man das nur von der Politik aus versucht, sind die Widerstände enorm. Also braucht es Partnerschaften. Die Kirche kann Menschen erreichen, die wir nicht erreichen können.

 

Frau Vizebürgermeister, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!

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