Starre russische Haltung in ukrainischer Kirchenfrage Harte Kritik Konstantinopels am Moskauer Patriarchengeburtstag

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Von Heinz Gstrein

Istanbul. Patriarch Bartholomaios I. reagiert vorerst nur indirekt auf die Stärkezeichen, die der russische Oberhirte Kyrill in Moskau bei Gelegenheit seines 70. Geburtstags vor hochrangigen Gratulanten aus der gesamten Orthodoxie abgegeben hat. So veröffentlichte das dem Phanar nahestehende Kirchenportal amen.gr am 23. November unter dem Titel „Hat der Moskauer Patriarch nun zugehört oder nur von sich hören lassen?“ eine „Auswertung des Treffens von Kirchenführern in Moskau“. Darin werden die Unnachgiebigkeit von Patriarch Kyrill bei seiner Ablehnung des orthodoxen Konzils von Kreta, in der Frage von dessen Einmütigkeit und Rezeption sowie zum Kirchenproblem in der Ukraine beklagt und das Ökumenische Patriarchat aufgerufen, dagegen „zwangsläufig einzugreifen“. Bisher ginge es im Geist „differenzierter Besonnenheit“ vor, ohne darüber sein „kanonisches Verhältnis“ zur Ukrainischen Orthodoxen Kirche zu vergessen.

Der Verfasser dieser kritischen Bilanz des Moskauer Patriarchengeburtstags ist Petros Vassileiadis, emeritierter Bibliker der Theologischen Fakultät von Saloniki. Er hat dort, in Athen, London und Heidelberg studiert. Sein letztes bedeutendes Werk war 2007 „Einheit und Zeugnis. Christlich-orthodoxes Bekenntnis und interreligiöser Dialog.“ Vassilieiadis hat sich zuletzt als Befürworter des Konzils von Kreta und seiner Entscheidungen sowie als treuer Gefolgsmann von Patriarch Bartholomaios I. hervorgetan.

In amen.gr wendet er sich gegen den „weltlichen Pomp“ und die „deutlichen Elemente eines Zurschaustellens zaristischer Macht“ bei den Feierlichkeiten in Moskau. Vom neuen Abt Evlogij des russischen Klosters am Athos ließ sich Kyrill als „Allheiligkeit“ ansprechen, obwohl dieser Titel nur dem Ökumenischen Patriarchen zukommt. Kreise des Phanars stellen Kyrills Prunk und Pracht zu dem schlichten 25jährigen Amtsjubiläum von Bartholomaios im Phanar am 22. Oktober in Gegensatz. Fast alle geistlichen Oberhäupter der griechisch-orthodoxen Kirchenfamilie umjubelten oder umschmeichelten gar das russische Geburtstagskind. Nur Erzbischof Anastasios von Albanien wagte die Bemerkung: „Wir haben Sie in Kreta vermisst!“

Wie Prof. Vassileiadis vermerkt, hatte bei einer Pressekonferenz am 16. November der Stellv. Leiter des Außenamtes der Russischen Orthodoxen Kirche, Archimandrit Filaret Bulekow, in Aussicht gestellt: „Der Patriarch wünscht von Konzilsteilnehmern bei Gelegenheit des Aufenthaltes in Moskau ihre Erfahrungen auf dieser Heiligen und Großen Synode zu hören und wird in den Gesprächen mit ihnen unter vier Augen ihre persönliche Einschätzung des Konzils zur Kenntnis nehmen.“ Darauf hatte auch der Ökumenische Patriarch den Metropoliten von Frankreich, Emmanuel Adamakis, als Gratulanten und Informanten zu Kyrill gesandt. Dieser hörte sich den Emissär des Phanars an, ließ sich von ihm aber nicht überzeugen. Stattdessen wurden die hohen Gäste mit dem Patriarchen von Aexandria Theodoros II. an der Spitze von Kyrill bei seiner Geburtstagspredigt in der Moskauer Erlöser-Kathedrale und auf seiner Pressekonferenz, welche die Agentur Itar-TASS am 22. November in vollem Wortlauf wiedergab, mit einem unnachgiebigen, sogar verhärteten Standpunkt der russischen Kirchenführung konfrontiert. Darin werden – so amen.gr – die „Vorbehalte und Änderungswünsche“ Moskaus zum Konzil von Kreta und seinen Beschlüssen unterstrichen. Es fordert eine neue Synaxis (Gipfeltreffen) der neun orthodoxen Patriarchen und fünf Oberhäupter von Autokephalkirchen zur Vorbereitung eines wahren Konzils, das mit dem Kirchenrecht konform ist und wirklich gesamtorthodox unterstützte Beschlüsse in passender Form verkünden wird.

Für diese fordert laut Vassileiadis Patriarch Kyrill „Einstimmigkeit“ und nicht nur „Einmütigkeit“, wie sie Konstantinopel und die anderen Teilnehmer von Kreta verstehen. Im russischen Verständnis mache die Abwesenheit einer der 14 orthodoxen Kirchen vom Konzil dieses ungültig, während für Bartholomaios und seine Mehrheit an Patriarchen und autokephalen Erzbischöfen die Abwesenden – in Kreta waren es außer Moskau noch Antiochia, Bulgarien und Georgien – nur sich selbst ins Abseits stellen. Auch in Sachen einer für die Gültigkeit des Konzils aus Moskauer Sicht nötigen „allorthodoxen Annahme“ seiner Beschlüsse beharrte jetzt Kyrill auf diesem Standpunkt, während die Konzilsmehrheit sich nicht erst durch ihre Rezeption bestätigen lassen will: Konzilsbeschlüsse seien aus sich selbst als solche gültig!

Schließlich habe der Moskauer Patriarchengeburtstag die starre russische Haltung in der ukrainischen Kirchenfrage bestätigt. Kyrill lehnte nun erst recht eine Vereinigung der rivalisierenden orthodoxen Jurisdiktionen zu einer von den Russen unabhängigen, autokephalen Ukrainischen Orthodoxen Kirche ab. Das bedeutet in Einschätzung von Vassileiadis „Unglück für die Beziehungen unter den Christen wie auch für die Einheit der Orthodoxie.“ So könne der Russischen Orthodoxen Kirche der Vorwurf expansionistischer und nationalistischer Tendenzen in der Ukraine nicht erspart werden. Das stünde in komplettem Gegensatz zum Geist des Konzils von Kreta: „Die leidenschaftlichen, aber unbewiesenen Angriffe auf jene ukrainischen Orthodoxen, die sich vom Moskauer Patriarchat gelöst haben, aber auch auf die Griechisch-Katholische Kirche sind kein gutes Vorzeichen für eine Heilung dieser offenen Wunde am Leib der Kirche…“.

 

ÖKI

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