Bunter Theaterherbst in Istanbul „Alamut“: Hautnaher Islamistenterror auf der Bühne

alamut-castle-34

 

Von Heinz Gstrein

Istanbuls bunte Theaterszene trotzt auch in dieser Saison dem politischen Frost aus Ankara. Obwohl Erdogan inzwischen nicht nur ehemalige Kirchen, sondern auch vielbesuchte Theater in Moscheen verwandelt. So die für Opernaufführungen und andere musikalische Werke beliebte Freilichtbühne im Schloss Rumeli Hissar beim Vorort Yeniköy droben am Bosporus. Vergeblich hatten namhafte Sängerinnen und Sänger dagegen protestiert. Gut, dass es in der Nähe noch den Theatersaal eines früheren Sultanspalastes gibt, der heute das Österreichische Generalkonsulat beherbergt. Dort wird im November deutsches Theater gespielt: Maxi Blahas Erfolgsstück  „Es gibt mich nur im Spiegelbild.“ Istanbuls nach wie vor im Sinn von Atatürk „europäisiertes“ Publikum bekommt dort einen hintersinnigen Bühnenabend geboten. Texte von Elfriede Jellinek zum Werk Ingeborg Bachmanns – ein szenisches Portrait von zwei „Ausnahmeautorinnen“.

Sonst sind es aber islamische Themen, die sich Istanbuls Bühnen erobern, langsam, aber sicher. Nicht umsonst preist Staatschef Erdogan den Islam als einzige Leitschnur für Kultur, Politik und sogar Finanzen an. Obwohl die Türkei nach dem Wirtschaftswunder seiner früheren, vernünftigeren Ära zuletzt wirtschaftlich auf den Hund gekommen ist. Nachdem die blühenden Unternehmen der oppositionellen Gülen-Bewegung verstaatlicht und aufgezehrt sind, greift Ankara nach den Spar-Euros der Deutschland-Türken. Es sei ihre patriotische Pflicht, diese Guthaben in die Heimat zu überweisen. Das soll auch ein satirisches Thema für diesen Istanbuler Theaterwinter werden. Doch wagt sich keiner der letzten Kleinkunst-Kabarettisten so recht an dieses heiße Eisen.

Dauerbrenner ist schon die dritte Spielzeit „Rabia Adawiyya“, ein alter ägyptischer Film in Bühnenfassung und türkischer Übersetzung. Er schildert das spannende Leben einer frühen islamischen Mystikerin, die es von der Sexsklavin zur Botin der Gottesminne gebracht hat. Ein durchaus feministisches und esoterisches Stück, das nichts mit dem zu tun hat, was wir uns heute landläufig unter Islam vorstellen.

Noch avantgardistischer ist das vom erfolgreichen Bühnenautor Betül Odabasi Törk frisch geschriebene Drama „Alamut“. Es behandelt den gerade jetzt besonders akuten Islamisten-Terror mit einer Rückblende ins Mittelalter: In die Assassinen-Hochburg Alamut. Dort wollte dieser frühe Geheimbund mit Haschisch angestachelter politischer Mörder (Haschaschin wurde bei uns zu Assassinen) den nach ihren Bluttaten verheißenen Siebten Himmel schon auf Erden vorwegnehmen: Bei Orgien mit Rauschgift und schönen Frauen, die Regisseur Zafer Kayaokay im „Kulturtheater Kartal“ hautnah auf die Bühne bringt. Das Stück zeigt, wie eng Sektenislam und Terror schon vor Jahrhunderten miteinander verbunden waren, als die Dolche der Assassinen unter den Kreuzfahrern und bis herüber ins Abendland tödlich zustießen. Für die damalige Welt waren sie genauso schlimm und gefährlich, aber nicht insgesamt typisch, wie heute der Islamische Staat oder Al-Kaida.

Advertisements

Σχολιάστε

Εισάγετε τα παρακάτω στοιχεία ή επιλέξτε ένα εικονίδιο για να συνδεθείτε:

Λογότυπο WordPress.com

Σχολιάζετε χρησιμοποιώντας τον λογαριασμό WordPress.com. Αποσύνδεση / Αλλαγή )

Φωτογραφία Twitter

Σχολιάζετε χρησιμοποιώντας τον λογαριασμό Twitter. Αποσύνδεση / Αλλαγή )

Φωτογραφία Facebook

Σχολιάζετε χρησιμοποιώντας τον λογαριασμό Facebook. Αποσύνδεση / Αλλαγή )

Φωτογραφία Google+

Σχολιάζετε χρησιμοποιώντας τον λογαριασμό Google+. Αποσύνδεση / Αλλαγή )

Σύνδεση με %s