Moskaus Rückkehr im Orient Putin stärkt Erdogan gehörig den Rücken

 

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Von Heinz Gstrein

In Istanbul wird am Dienstag Wladimir Putin bei seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan vorstellig. Vordergründig geht es ihm darum, das Pipelineprojekt „Turkish Stream“ zu besiegeln: Es soll russisches Erdgas über die Türkei und Griechenland nach Westeuropa blasen und zu dessen zweiter Lebensader für Energie nach dem 2011 eröffneten Nord Stream unter der Ostsee werden. Doch auch politisch haben sich beide Staatschefs diesmal entscheidend mehr zu sagen als bei Erdogans Blitzbesuch in St. Petersburg von Anfang August. Damals bemühten sich Amerikaner und Russen noch um gemeinsames Vorgehen im Syrienkonflikt. Inzwischen stehen die Zeichen zwischen Washington und Moskau aber auf Sturm: Vor dem UN-Sicherheitsrat blockierte man sich am Wochenende mit gegenseitigen Vetos. Wobei auffallen musste, dass Ägypten mit Russland stimmte. Gleichzeitig gehen am Nil die ersten ägyptisch-russischen Truppenmanöver seit der prosowjetischen Ära von Abdel Nasser über die Bühne. Moskau ist im Orient auch über Syrien hinaus wieder im Vormarsch. Die Türkei erhält bei solchem Bestreben für den Kreml besonderen Stellenwert. Das gibt dieser Begegnung Putins mit Erdogan erhöhte Brisanz.

Die Türken können ihrerseits russische Rückenstärkung wieder gut brauchen. Durch ihren Einmarsch in Nordsyrien sind sie mit den US-gestützten Kurdenmilizen DYP in Konflikt gekommen. Der Gegensatz blockiert den weiteren Vormarsch gegen den Islamischen Staat (Daesch) und seine syrische Kommandozentrale Ar-Rakka. Die Entscheidungsschlacht über Syriens Zukunft und wahrscheinlich auch eine neue ost-westliche Weltordnung wird inzwischen überhaupt weiter westlich in Aleppo zwischen Assad samt russisch-iranischen Verbündeten und den Daesch-Rivalen von der „Syrischen Befreiungsfront“ (Fatah asch-Scham, früher An-Nusra) bzw. den „Freien Syrern“ (Ahrar asch-Scham) geschlagen. Beide stehen den Muslim-Brüdern nahe, von ihren Verbindungen zu Al-Kaida haben sie sich inzwischen losgesagt. Der Endkampf gegen den Islamischen Staat ist in Syrien vorerst aufgeschoben.

Nicht so im Irak, wo die Befreiung der Millionenstadt Mossul endlich in greifbare Nähe rückt. Aber auch damit hat die Türkei ihre Probleme. Zwar bereitet es Erdogan weniger Kopfzerbrechen, dass an der Entthronung von Daesch-Kalif Abu Bakr al-Boghdadi in der von ihm 2014 eroberten nordirakischen Metropole kurdische Truppen maßgeblich beteiligt werden. Denn mit Irakisch-Kurdistan hat Ankara im Unterschied zu Syrien ein leidliches Auskommen. Dieses räumte den Türken auch die Militärbasis Baschika ein, die nur 12 km von Mossul östlich vom Tigris liegt. Da der Stützpunkt neuestens von der irakischen Zentralregierung beansprucht wird, ist er zum Zankapfel zwischen Bagdad und der Türkei geworden.

Diese fürchtet ein Festsetzen des schiitischen Volkssturms „Haschd asch-Schaabi“ im irakischen Norden. Er werde – ebenso schlimm wie Daesch – Mossul und seine Region bis zur türkischen Grenze fanatischem Schiitenterror ausliefern. Auch dagegen will sich Erdogan bei Putin absichern. Dieser wird kaum die Gelegenheit versäumen, im Irak wieder mitzuspielen, wo die Russen seit den Golfkriegen ihren alten Einfluss ganz verloren haben.

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