Dauerbrenner ukrainische Autokephalie: Konstantinopler Beschlüsse Ende September zu erwarten

unbenannt

Von Heinz Gstrein

Istanbul. Mit ihrem bekannten Anliegen einer auch kirchlichen Verselbständigung Kiews von Moskau haben am 31. August die früheren ukrainischen Präsidenten Leonid Krawtschuk (1991-1994) und Wiktor Juschtschenko (2005-2010) beim Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. vorgesprochen. Von diesem wurde kurz zuvor in derselben Angelegenheit an seinem Amtsssitz im Phanar von Istanbul ein enger Mitarbeiter des heutigen Staatsoberhauptes der Ukraine Petro Poroschenko empfangen: Rostyslav Pawlenko, der Vizechef der Kiewer Präsidentschaftskanzlei. Er gilt als damit beauftragt, einen Zusammenschluss der derzeit drei rivalisierenden orthodoxen Kirchen am Dnepr (Moskauer Patriarchat, Kiewer Patriarchat, Autokephalisten) und womöglich auch der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche zu versuchen und der dann geeinten „Landesorthoxie“ die volle kirchliche Unabhängigkeit (Autokephalie) aus Konstantinopel zu erwirken.

Patriarch Bartholomaios I. ist dafür in doppelter Hinsicht die richtige Adresse: Zunächst gehörte die Ukraine von Anfang an zum Patriarchat Konstantinopel. Nach dessen Auffassung tut sie das auch heute, da der Phanar eine zweifelhafte Abtretung seiner Kiewer Metropolie an Moskau aus dem Jahr 1686 nie voll anerkannt hat. Zweitens ist der Ökumenische Patriarch als Koordinator der gesamten griechisch-orthodoxen Kirchenfamilie jene Instanz, von der die Autokephalie einer Landeskirche beschlossen und verkündet wird. So war das zuletzt der Fall mit Griechenland (1850), Serbien (1879), Rumänien (1885) und Bulgarien (1946). Erst spät vertrat die Russische Orthodoxe Kirche den anderen Standpunkt, dass eine Entlassung in die Autokephalie ausschließlich Sache ihrer Mutterkirche sei. So verlieh das Patriarchat Moskau 1970 im Alleingang seiner nordamerikanischen Diaspora den Status einer autokephalen „Kirche von Amerika“. Schon 1943 hatte es auf Drängen des Georgiers Stalin die Autokephalie der Georgischen Orthodoxen Kirche wiederhergestellt – was 1989 nachträglich vom Ökumenischen Patriarchen Dimitrios I. bestätigt wurde. Auch die „Orthodoxe Kirche der Tschechischen Länder und der Slowakei“ verfügt über zwei Autokephalien: Eine durch die Russen 1951 und die endgültige vom Ökumenischen Patriarchen 1998.

Die Frage der Verleihung des autokephalen Status wurde dann noch zum Stolperstein für das orthodoxe Konzil von Kreta im Juni 2016: Nachdem dieser wegen russischen Vetos von der Themenliste abgesetzt werden musste, blieb die offene Differenz einer der Gründe für das Fernbleiben des Moskauer Patriarchats von dieser „Heiligen und Großen Synode der Orthodoxie“.

In ihrem Vorfeld hatte Bartholomaios I. spürbar darauf verzichtet, sich am heißen Eisen Ukraine die Finger zu verbrennen. Er wollte den von ihm erhofften Erfolg des Konzils nicht gefährden. Seit dem russischen Affront mit Kreta scheint er aber keinen Grund für Zurückhaltung mehr zu haben. Auch persönlich enttäuscht fühlte sich der Ökumenische Patriarch zuletzt durch für ihn gefährliche Verbreitung von Vorwürfen als Mitverschwörer beim Anti-Erdogan-Putsch durch russische Kirchenmedien (s.d. in diesem öki). Die ukrainischen Alt-Präsidenten fanden daher bei ihrer diesmaligen Vorsprache im Phanar ein besonders offenes Ohr.

Leonid Krawtschuk, letztes Oberhaupt der Sowjetukraine und ihr erster frei gewählter Präsident, hatte von Anfang an den Standpunkt vertreten, dass dem Ausscheiden von Kiew aus der Sowjetunion auch die Herauslösung ihrer rund 25 Millionen Orthodoxen – die drittstärksten nach Russland und Rumänien – aus dem Moskauer Patriarchat erfolgen müsse, um nach der politischen auch die religiöse Freiheit ohne russisches Gängelband zu gewährleisten. Dieselbe Sicht trug der inzwischen 82jährige jetzt eindringlich Bartholomaios I. vor. Darin unterstützte ihn sein zweiter Nachfolger Wiktor Juschtschenko kräftig. Während dessen Präsidentschaft war die Autokephalie erst recht ein Kernanliegen ukrainischer Unabhängigkeitspolitik geworden.

Der Ökumenische Patriarch besprach mehr als zwei Stunden lang mit den Alt-Präsidenten kirchenrechtliche Aspekte einer ukrainischen Autokephalie. Dabei anwesend waren auch der Konstantinopler „Cheftheologe“ Metropolit Ioannis Zizioulas von Pergamon, Metropolit Emmanuel Adamakis von Frankreich sowie der Generalsekretär des Patriarchensynods Bartholomaios Samaras. Von dessen nächster Sitzung Ende September werden nun im Phanar konkrete Beschlüsse in Sachen Ukraine erwartet. Bis dahin handhabt der Patriarch die ukrainische Kirchenfrage als „seine Chefsache“.

πηγή    öki

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