Gelebte Ökumene in syrischen Ruinen Patriarch Johannes X. zu Besuch bei der polnischen Orthodoxie

 

 

 

Von Heinz Gstrein

Warschau. Patriarch Johannes X. von Antiochia hat vom 16. bis 18. August die Polnische Orthodoxe Kirche besucht. Er wurde in Warschau auch von Präsident Andrzej Duda empfangen. Dieser bekräftigte, dass sich Polen für eine friedliche Lösung im Bürgerkrieg Syriens und der anderen Nahostkonflikte einsetzt. Der Patriarch legte seinen Standpunkt von einer Hauptverantwortung des heutigen militanten Politislam für Verfolgung und Vertreibung der Orientchristen dar. Jahrhunderte lang hätten diese in der Region mit den Muslimen friedlich zusammen gelebt. Johannes X. warnte auch vor Ausbreitung des Blutvergießens auf Libanon, falls dort nicht endlich ein neues Staatsoberhaupt gewählt werden könne. In Beirut ist das Präsidentenamt schon seit 2014 verwaist.

Wichtigste Themen der Gespräche mit Metropolit Sawa Hrycuniak von Warschau und ganz Polen waren ebenfalls die Not der orthodoxen Nahostchristen, die Rezeption des orthodoxen Konzils von Kreta im Juni – an dem die antiochenische Kirche nicht teilgenommen hatte, und der Jurisdiktionsstreit zwischen den Patriarchaten von Antiochia und Jerusalem um ihre Zuständigkeit im Golfemirat Katar.

Die in Syrien und dem Irak von islamischen Terrormilizen bedrängte, gebietsweise schon fast ausgerottete antiochenische Orthodoxie sieht sich auch kirchlich zunehmend in der Isolierung. Ihr Entschluss, wegen der Differenzen mit einer Schwesterkirche das Konzil zu boykottieren, findet kaum Verständnis. Auch die Serben hatten wegen der Ernennung von Bischöfen für die Rumänen in der Vojvodina und die mit ihnen verwandten Vlasi (Walachen) in Ostserbien dem Patriarchen in Bukarest mit Abbruch der kirchlichen Communio gedroht, waren aber dennoch nach Kreta gekommen. Ähnliche Doppeljurisdiktionen wie seit 2013 in Katar bestehen schon längst in Finnland, Estland oder Moldawien, ohne dass das der interorthodoxen Einheit zuwider läuft. Seine Vorsprache in Warschau bot jetzt Patriarch Johannes X. eine besonders gute Gelegenheit, einen Ausbruch aus seiner Schmollecke zu versuchen.

Die polnische Orthodoxie unterhält von allen Kirchen im vormals sowjetischen Machtbereich die besten Beziehungen zum Patriarchat von Konstantinopel. Dessen Zuständigkeit in Polen und dem Westen der Ukraine und Weißrusslands war 1924 wieder hergestellt und eine eigenständige (autokephale) „Polnische Orthodoxe Kirche“ geschaffen worden. Zuvor hatte sich die Reichskirche der russischen Zaren vom 17. bis ins 19. Jahrhundert diese Gebiete mit ihren orthodoxen und weitgehend auch griechisch-katholischen Bistümern einverleibt. Nach 1945 musste die Metropolie von Warschau die Jurisdiktion in den Ostgebieten, die zur Sowjetunion fielen, an das Patriarchat Moskau abtreten, um ihren unabhängigen Fortbestand wenigstens auf dem Boden der Volksrepublik Polen zu sichern. Doch wurde Metropolit Dionizy Waledynski (1876-1960), der die polnische Orthodoxie seit 1924 geleitet hatte, von der Kirchenleitung entfernt und aus Warschau ins oberschlesische Sosnowiec (Sosnowitz) verbannt. An seine Stelle traten von Moskau eingesetzte Administratoren und 1951 bis 1959 der Gegenmetropolit Makary Oksaniuk. Er kam aus Lemberg, wo er 1946 die Pseudosynode zur Auflösung der griechisch-katholischen Kirche geleitet hatte. Der Ökumenische Patriarch Athenagoras I. hielt jedoch an Dionizy als einzig rechtmäßigem Oberhirten fest. Was wieder einmal zeigte, wie wichtig das Amt Konstantinopels als Wahrer der kirchlichen Ordnung und Rechtmäßigkeit für die gesamte orthodoxe Kirchenfamilie ist. Erst nach Dionizys Tod und im Vorfeld der I. Panorthodoxen Konferenz von Rhodos kam es 1961 zur Einigung zwischen dem Phanar und Moskau über Tymoteusz Szretter (1961-62) als kanonischem, gesamtorthodox anerkannten Metropoliten von Polen. Seitdem beweist die Polnische Orthodoxe Kirche unter dem Kommunismus wie nach der Wende Konstantinopel besondere Treue, führt aber auch die engen Beziehungen zur russischen Orthodoxie fort. Von ihren heute neun Bischöfen (für zwischen 600 000 und 800 000 geschätzte Gläubige) sind immerhin fünf in Moskau, St. Petersburg, Minsk und dem slowakischen Preschow im russischen Einflussbereich ausgebildet. Die polnische Kirche scheint daher wie keine andere berufen, gerade jetzt in der postkonziliären Spaltung der Orthodoxie zwischen einem Konstantinopler und einem Moskauer Block die vermittelnde Rolle zu spielen und auch dem Patriarchat Antiochia die Rückkehr ins Einvernehmen mit der übrigen orthodoxen Kirchenfamilie zu erleichtern. Während nämlich auch die Russische Orthodoxe Kirche der „Heiligen und Großen Synode“ auf Kreta aus grundsätzlichen Erwägungen fern blieb, billigt sie nicht den Justament-Standpunkt der Antiochener in der Katar-Frage.

In Warschau wurden nun diesbezüglich die Weichen für die Bildung jener interorthodoxen Vermittlungs-Kommission gestellt, die das Ökumenische Patriarchat schon vor dem Konzil vergeblich angeregt hatte. Ihr sollen außer Vertretern der beiden Streitparteien auch „Schlichter“ aus den Patriarchaten von Alexandria und Moskau sowie den Autokephalkirchen Zyperns und Polens angehören.

Patriarch Johannes X. erhielt auch das theologische Ehrendoktorat der Christlichen Theologischen Akademie Warschau. Diese war 1954 den Minderheitenkirchen Polens – Orthodoxen, Lutheranern, Reformierten, Altkatholiken und Mariaviten – als gemeinsame Ausbildungsstätte für ihren geistlichen Nachwuchs vom kommunistischen Staat zugestanden worden. Mit dem Hintergedanken, ihren künftigen Klerus im Sinn eines gleichgeschalteten „Friedenspriestertums“ zu beeinflussen. Aus dieser Notlösung ist aber seit der Wende eine ökumenische Institution ersten Ranges geworden.

Wie Johannes X. in seiner Dankesrede ausführte, führt in Syrien heute die gemeinsame Verfolgung und Bedrängnis aller Christen zu einer „gelebten Ökumene der Märtyrer“. Diese „zeigt sich heute in unseren Ruinengassen, in den belagerten Christenvierteln von Griechisch- und Orientalisch-Orthodoxen, Katholiken aller Riten und Evangelischen, in der gegenseitigen Hilfe und Solidarität miteinander über die schmerzlichen konfessionellen Schranken hinweg.“ Der Patriarch gab auch seinen Plan bekannt, im Kloster „St. George al-Homeyra“ bei Homs mitten in Syrien die zweite theologische Hochschule seiner Kirche nach Balamand im Libanon zu begründen: „Wie wir Balamand mitten im libanesischen Bürgerkrieg der Jahre 1975 bis 1990 erstehen ließen, soll jetzt mit „Hl. Georg am Wildbach“ der Beweis geliefert werden, dass wir uns aus Syrien nicht vertreiben lassen.“

 

πηγή öki

 

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