Kalte Füsse im Newa-Wasser Zwischen Erdogan und Putin kam kaum Handfestes heraus

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Von Heinz Gstrein
Als „meinen teuren Vladimir“ – im Unterschied zu seinen westlichen Kritikern – hatte am Dienstag Morgen in St. Petersburg der türkische Machthaber Recep Tayyip Erdogan überschwenglich seinen russischen Gastgeber Putin tituliert. Bei der gemeinsamen Pressekonferenz am Nachmittag im Konstantinspalast war die Stimmung nach mehrstündigen Verhandlungen – davon allein 90 Minuten zwischen den beiden Staatschefs unter vier Augen – schon nüchterner. Zwar wurde Erdogan von russischer Seite als Musterdemokrat belobigt – sonstige handfeste Ergebnisse hielten sich jedoch im Rahmen von Wirtschaft und Fremdenverkehr. Wer an der Newa ein Gleichziehen in Syrien oder gar den NATO-Austritt der Türkei erwartet hatte, sah sich von den versteinerten Mienen der beiden Autokraten enttäuscht.
Das Verhältnis der Türkei zu Russland war fast immer ein feindliches. Unter den Zaren bildeten das Osmanenreich und seine Tataren-Satellitn natürlichen Gegner im Süden so wie Polen im Westen und Schweden in nordwestlicher Richtung. Erst nach der türkischen Niederlage von Wien 1683 und dem „Ewigen Frieden“ Moskaus mit Krakau und Stockholm 1686 bemühte sich Großwesir Sari Süleyman Pascha um Annäherung an die Russen. Das wurde dem Bosnier jedoch als Hochverrat ausgelegt, was zu seiner Hinrichtung führte. Dann dauerte es wieder ein Vierteljahrhundert osmanisch-russischer Konflikte, bis Atatürk nach dem Ersten Weltkrieg den Beistand Sowjetrusslands für den türkischen Freiheitskampf gegen die West-Allierten suchte. Er ließ aber sofort wieder die Hände von Lenin, als sich Franzosen und Italiener auf seine Seite gegen die Griechen schlugen. Eine solche Schaukelpolitik zwischen Ost und West ist dann für eine ganze Reihe Orientdespoten von Abdel Nasser bis zu Saddam Husseinussein typisch geworden. Jetzt scheint es auch Erdogan mit ihr zu versuchen.
Die Türkei galt lang als allzeit sichere Säule der NATO an ihrer Südostflanke zum Warschauer Pakt. Unter Erdogan mehrten sich aber Fragezeichen über der türkischen Bündnistreue, da er radikale Dschihadisten wie Muslim-Brüder oder gar den Islamischen Staat (IS) unterstützte, die vom Westen bekriegt werden.
Für Erdogan stellt das Treffen mit Putin auch nach seiner Infragestellung durch den Umsturzversuch vom 15. Juli eine wichtige Rückendeckung dar. Ihr zuliebe opfert er das bisherige Eintreten für die Rechte der Krimtataren. Ankaras Engagement bei Wolgatataren, Turkmenen und Kasachen abzuschreiben, fällt ihm umso leichter, als dort in erster Linie die türkischen Schulwerke von Fethullah Gülen und gar nicht türkische Staatsinteressen am Werk sind.
Die Anbiederung Erdogans passt zwar in Putins neues antiwestliches Konzept, jedoch nicht in seine allorthodoxen Ambitionen. Das postkommunistische Russland wird seine Bindung an das Serben- und Griechentum, seine antitürkische Haltung auf Zypern und die anti-islamischen Festlegungen am Balkan und in Nahost auch um den Preis einer Gewinnung der Türkei Erdogans nicht aufgeben.

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