Istanbul erhält einen „Verräter-Friedhof“ Schauriges Nachspiel zum Putschversuch gegen Erdogan

hainler_mezarligi_tabelasi_kaldirildi_iste_sebebi___2972016280

 

Von Heinz Gstrein

An Friedhöfen, auf Türkisch „mezarlik“ genannt, herrscht in Istanbul überhaupt kein Mangel. Höchstens ist das da und dort in Neubauvierteln der Fall. Oder den wilden Siedlungen der ohne Baugenehmigung aus dem Boden wachsenden „gece kondu“, d.h. „in einer Nacht erbaut“. Wer es nämlich vermag, sich zwischen Sonnenuntergang und –aufgang ein Dach über den Kopf zu stellen, darf nach türkischen Gewohnheitsrecht nicht mehr abgerissen werden,

Das alte, osmanische Istanbul verfügt über einen ganzen Kranz von Friedhöfen. Sie ziehen sich außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern vom Marmarameer zum Goldenen Horn und weiter bis auf die Höhen von Sisli hinauf. Aus der Vogelschau sieht das wie ein breiter Grüngürtel rund um den Kern der Stadt aus. Das Grab jedes Bessergestellten umgeben Zypressen und andere Bäume sowie je nach Wohlstand mehr oder weniger ausgedehnte Gärten. In ihnen wurden und werden an hohen islamischen Feiertagen die traditionellen Totenschmäuse zum Gedenken an die Verstorbenen abgehalten. Ziemlich verwaist sind hingegen die ebenfalls großangelegten Christen- und Judenfriedhöfe. Bis nach dem Ersten Weltkrieg machten Griechen, Armenier, Bulgaren und Sepharden etwas mehr als die Hälfte der Statdbevölkerung aus.

Seit einigen Tagen wird aber geradezu hektisch an der Errichtung eines völlig neuen und neuartigen Begräbnisortes gearbeitet: des „Hain Mezarligi“ – des „Friedhofs der Verräter“, d.h. der gefallenen, von Erdogan-Anhängern gelynchten oder noch hinzurichtenden Putschisten vom 15. Juli. Ursprünglich sollte es für Beteiligte an dem Umsturzversuch von Teilen der türkischen Streikräfte gegen den immer autoritäreren Staatschef Recep Tayyip Erdogan überhaupt keine Grabesruhe geben. So hatte der Vorsteher der staaatlichen Religionsbehörde Diayanet, Mehmet Görmez, jede islamische Beisetzung der „Putschisten“ verboten.

Als sich darauf die Frage stellte, ob diese unbeerdigt bleiben und in Schluchten und an anderen abglegenen Plätzen den Geiern zum Fraß verwesen sollten, beschloß als erste die Stadtgemeinde Istanbul, eigene „Verräterfriedhöfe“ zu schaffen. Aufrührerische Militärs sollen in ihnen ohne religiösen Segen einfach verscharrt werden, also auch keine eigenen, mit Namen gekennzeichneten Gräber erhalten. Das könnte nämlich oppositionelle Kräfte zu einer Märtyrerverehrung an diesen Grabstätten verleiten. Von außen jedoch werden diese Sonderfriedhöfe als „Begräbnisort von Verrätern“ ausgewiesen. Damit alle Vorbeifahrenden oder –gehenden diese Volksfeinde gehörig zu verfluchen wüssten – wie es in einer amtlichen Verlautbarung heißt.

Viele Städte und Gemeinden in der Türkei folgen schon dem Istanbuler Beispiel, andere – wie z.B. Bolu jenseitxs vom Bosporus – – lehnen selbst solche Verräterfriedhöfe zugunsten von Verwesungsstätten ab. Im Fall vn Bolu wird daran gedacht, die sterblichen Überreste der gefallenen, von einem islamistischen Mob ermordeten oder nach ihrer Verhaftung zu Tod gefolterten Erdogan-Gegner in einen der zahlreichen Seen der Umgebung zu werfen – in diesem Fall nicht als Futter für die Aasgeier, sondern für Raubfische und Krebse.

Advertisements

Σχολιάστε

Εισάγετε τα παρακάτω στοιχεία ή επιλέξτε ένα εικονίδιο για να συνδεθείτε:

Λογότυπο WordPress.com

Σχολιάζετε χρησιμοποιώντας τον λογαριασμό WordPress.com. Αποσύνδεση / Αλλαγή )

Φωτογραφία Twitter

Σχολιάζετε χρησιμοποιώντας τον λογαριασμό Twitter. Αποσύνδεση / Αλλαγή )

Φωτογραφία Facebook

Σχολιάζετε χρησιμοποιώντας τον λογαριασμό Facebook. Αποσύνδεση / Αλλαγή )

Φωτογραφία Google+

Σχολιάζετε χρησιμοποιώντας τον λογαριασμό Google+. Αποσύνδεση / Αλλαγή )

Σύνδεση με %s