IS-Rache am Atatürk-Flughafen Erdogan zahlt Preis für Ruck-Zuck-Kurswechsel

Tav Havalimanlari

 

Von Heinz Gstrein

Kaum war am Dienstag in Ankara die Normalisierung der Beziehungen zwischen Türkei und Israel unterzeichnet, wurde bei Istanbul der Atatürk-Flughafen von einem Selbstmörder-Trio heimgesucht. Dem Anschlag fielen rund 200 Tote oder Verletzte zum Opfer, seine Handschrift verrät – wie zuvor in Brüssel – die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Das Blutbad zielt eindeutig gegen den verblüffenden Kurswechsel des Präsidenten Recep Erdogan von allem, was Muslimisch heißt, zurück zur traditionellen türkisch-israelischen Zusammenarbeit sowie einer Aussöhnung mit seinen jüngsten Prügelknaben Ägypten und Russland in den letzten Tagen. Erdogan hat gleich nach dem Anschlag mit Vladimir Putin telefoniert und ein Treffen vereinbart, dessen Außenminister Sergey Lavrov trifft schon am Freitag in Ankara ein. Auch aus Kairo hat Staatschef Abdel Fattah al-Sisi sofort positiv auf die türkische „Botschaft für gute Nachbarschaft“ geantwortet. Er diente als eine der Hauptzielscheiben von Erdogans Wut und Groll, seit am Nil 2013 die von der Türkei unterstützte Herrschaft der Muslim-Brüder gestürzt wurde.

Israel war schon 2009 das erste Feindobjekt beim Wandel Erdogans von einem zwar muslimischen, aber aufgeklärten und prowestlichen Staatsmann zum Halb-Mond-Finsterling und Herold des Politislam. Von da an legte er sich der Reihe nach mit seinem früheren Verbündeten gegen die Kurden, dem Syrer Baschar al-Assad, Ägyptern und EU-Europäern sowie zuletzt mit dem Kreml an. Erdogan erhoffte sich davon bis zuletzt die Führungsrolle im Arabischen Frühling von 2011, der von Tunesien bis an den Golf in die Hände der Islamisten geraten war. Zur äußeren Isolierung Ankaras kam bald Erdogans innenpolitisches Verkommen zum abstoßenden Diktator und gnadlosen Kurdenfeind, während die in seinen ersten Regierungsjahren aufgeblühten Wirtschaft und Fremdenverkehr auf Talfahrt gingen.

In dieser Sackgasse bewies Erdogan plötzlich Anfang der Woche, dass er auch ohne den inzwischen ausgebooteten diplomatischen Wunderknaben Ahmet Davutoglu fähig ist, aus der politischen Einkreisung seiner Türkei auszubrechen. Israel und Russland sind selbst Länder, die auf der Welt nicht mehr allzuviele Freunde haben und deshalb keine ihnen angebotene Hand zurückweisen. Die Globalfinanz hat das sofort mit einem kräftigen Kursgewinn der türkischen Lira honoriert, die wegen Erdogans Allüren zuletzt ins Wanken und Schwanken geraten war.

Doch dann fielen die Schüsse, krachten die Bomben am Atatürk-Flugplatz. Er hatte als einer der sichersten auf der Welt gegolten. Vor der regelrechten Serie an Attentaten, welche die Türkei seit Sommer 2014 heimsuchen, schien er allein gefeit zu sein.

So eilig wie noch nie hat die türkische Führung mit Schuldzuweis an den IS reagiert. Bisher versäumte sie keine Gelegenheit, den Schwarzen Peter kurdischen Partisanen und ihrer Stadt-Guerilla zuzuspielen. Davon ist diesmal keine Rede. Beobachter am Bosporus erwarten daher, dass Erdogan nun einen harten Vergeltungsschlag gegen seine früheren Islamisten-Freunde im Schild führt. Damit würde er sich in Moskau und Tel Aviv erst recht wieder beliebt machen.

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