Vorrang für Verkündigung und Nächstenliebe Erfolgreiches orthodoxes Konzil trotz Schönheitsfehlern

 

sinaji2008

 

Von Heinz Gstrein

Weiße Friedenstauben fliegen ließen am Sonntag, 26. Juni, auf der Insel Kreta die Oberhirten von neun orthodoxen Ostkirchen zum Abschluß ihres Konzils. Des ersten seit jenem von 879/80, als Katholiken und Orthodoxe noch eine Kirche bildeten. Nach einer so langen Kozilspause war es kein Wunder, dass sich nicht alle Kirchenführer mit ihren Bischöfen in der Konzilsaula der Orthodoxen Akademie von Kreta versammelt haben. Der Patriarch von Antiochia aus Damaskus, seine Amtsbrüder von Moskau, Bulgarien und Georgien waren gar nicht gekommen, Erzbischof Hieronymos von Athen ging dem Konzil noch am letzten Abend verloren, weil er sich mit den extremen Positionen der Kirche von Griechenland nicht durchgesetzt hatte: Nein zu Reform und Ökumene, Anschluß von über 40 Diözesen des Patriarchen von Konstantinopel an Athen und eine Ächtung der in Gemeinschaft mit Rom stehenden „unierten“ Ostchristen. Sie dürften auch keine orthodoxen Mischehen wie andere Konfessionen schließen. Dazu forderte er einen entsprcchenden Zusatz beim Konzilsdekret über Ehe und Familie. Mit diesem Verlangen ist Griechenlands Erzbischof jedoch abgeblitzt, worauf er mit seinen erzkonservativen Bischöfen den Abschlussgottesdienst des „Rumpfkonzils“ boykottiert hat.

Dieses verstand sich aber durchaus als allgemeine Kirchenversammlung aller Orthodoxen und machte auch ganz einen solchen Eindruck. Bei der Schlussliturgie in der Peter-Pauls-Kirche von Chania erklangen alle Kirchensprachen des Ostens und Orients: Griechische, rumänische und kirchenslawische Hymnen sowie arabische Litaneien, bei denen sich Patriarch Theophilos III. von Jerusalem anstelle des ausgebliebenen Johannes X. von Antiochia hervortat. Selbst war er nicht unschuldig daran, dass dieser das Konzil „schwänzte“. Hatte er ihm doch das einträgliche Golfbistum im Emirat Katar weggeschnappt.

Die abwesende Orthodoxe Kirche von Bulgarien wollte mit den „Neuerern und Konzilsverderbern“ von Kreta nichts zu tun haben. Was sie nicht hinderte, aus ihrem kircheneigenen Sprudel im Balkangebirge die rund 330 Konzilsväter und „Periti“ (Experten) mit Mineralwasser zu versorgen. Worauf vielstimmig der Wunsch laut wurde: „Hätten doch auch die Russen ihr Fernbleiben mit Wodka- und Kaviarspenden gutgemacht!“

Aus heutiger kirchlich-abendländisch Sicht mag das Fasten zu nebensächlich erscheinen, um ihm ein eigenes Konzilsdokument zu widmen. Ganz anders im christlichen Osten und Orient, wo fast die Hälfte des Kirchenjahres in der einen oder anderen Form gefastet wird. Dazu kommt eine dreitägige Abstinenz vor Empfang der Eucharistie. Im Zweifelsfall halten die Gläubigen das Fasten für wichtiger als das Beichten, obwohl in der jüngsten Zeit die Ohrenbeichte in der Orthodoxie wieder anstelle der üblich gewordenen Generalabsolutionen aufgewertet wird. Darunter leidet natürlich ein regelmäßiger, häufigerer Kommunionempfang. Nur auf dem Heiligen Berg Athos und in anderen strengen Klöstern konnte ab dem 18. Jh. die Bewegung für eine „ständige“, d.h. tägliche Teilnahme an der hl. Eucharistie aufkommen, da dort so gut wie immer gefastet wird.

Das Konzil sollte darin Erleichterungen bringen, wie sie ohnedies von Bischöfen und auch Beichtvätern schon längst gewährt werden. Wenn es dazu auf Kreta so gut wie überhaupt nicht gekommen ist, hängt das mit der wichtigen spirituellen Bedeutung des Fastens in der Orthodoxie zusamen. Es entstand ein vielseitiges Fastensystem nach dem Grundsatz, dieselben Speisen und Getränke an bestimmten Tagen als Gottesgabe dankbar zu genießen, sie hingegen an anderen durch Verzicht Gott als Dankopfer darzubringen. Seitdem hat auch am Fasten niemand zu rütteln gewagt, nicht einmal die kommunistenfreundlichen „Kirchenerneuerer“ in der frühen Sowjetunion. Eine Fülle von Fastenkochbüchern unterrichtet verzweifelnde Hausfrauen darin, was sie an jedem Tag kochen dürfen, wie auch ohne Fleisch und Öl schmackhafte Gerichte auf den Familientisch zu zaubern sind.

Patriarch Bartholomaios I. schien es vor allem an Erleichterungen bei der eucharistischen Abstinenz gelegen zu sein. Dennoch kam es weder dort noch beim allgemeinen Fasten zu den erhofften Erleichterungen. Nur die personale und diözesane Dispenspraxis wurde vom Konzil kirchenamtlich abgesegnet, was immerhin schon ein Fortschritt ist. Sonst dient das ganze Konzilsdokument mehr einer Rechtfertigung als Modernisierung des Fastens.

So wurde dieses Dekret zum Prüfstein für die Bereitschaft der griechisch-orthodoxen Kirche, Altüberliefertes, zum Teil Überholtes und Erstarrtes mit neuem, lebendigen Geist zu erfüllen oder es sogar als historischen Ballast ganz aufzugeben. Dieser erste Versuch ist noch enttäuschend ausgefallen. Wie der griechische Konzilsvater Germanos Paraskevopoulos von Elis auf der Peloponnes in seiner Ansprache sagte: „Wir haben alles richtig bewahrt. Wir dürfen es nicht aufgeben. Lieber bleiben wir allein unter uns. Die Orthodoxie braucht keine Reform und keine Ökumene!“

Besonders eindrücklich war im Unterschied zu solchen Eiferern die positive Präsenz schwarzafrikanischer Bischöfe auf dem Konzil. Die Orthodoxie galt ja längst nicht mehr als Misisonskirche, seit Kyrill und Method von Byzanz aus die Mährer und Slowaken sowie dann ihre Schüler die Süd- und Ostslawen bekehrt hatten . Danach war es den Orthodoxen unter islamischer Herrschaft von Arabern, Türken und Mongolen bei Todesstrafe verboten, das Evangelium zu verkünden. Nur die Russen konnten sich im Kaukasus und Sibirien Ausnahmen von dieser Regel erlauben.

Seit den 1930er Jahren hat es jedoch das Patriarchat Alexandria unternommen, seinen Titel „und von ganz Afrika“ mit missionarischer Realität zu füllen. Die Verkündigung begann in Uganda und breitete sich langsam über ganz Ostafrika aus. Der große Durchbruch kam dann in den 1980er Jahren, als der in Marburg und Tübingen ausgebildete Missionswissenschafter Anastasios Yannulatos die Leitung der orthodoxen Afrikamission übernahm. Sie hat bis heute den ganzen Kontinent erfasst und betreibt dort erfolgreiche Inkulturation der byzantinischen Kirchentradition. 1991 wurde Yannulatos mit der Neuevangelisierung im postkommunistischen Albanien beauftragt. Als 87jähriger albanischer Erzbischof trat er jetzt am Konzil für eine missionarische Zukunft der gesamten Orthodoxie ein. Zwar konnte er kein eigenes Missions-Dekret erreichen, doch es mit Patriarch Theodoros II. von Alexandria durchsetzen, dass die Verkündigung in der „Konzils-Botschaft“ zu einem wesentlichen Auftrag der Orthodoxie erklärt wurde.

Noch immer wenig Raum wurde vom Konzil orthodoxen Frauen eingeräumt. Allerdings brachte außer der Äbtissin und Pastoraltheologin im Beraterteam des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. auch Theophil von Jerusalem eine orthodoxe Palästinenserin mit; Wafa Kussus leitet seit 2007 die „Gegenseitigkeitshilfe“ der orthodoxen Christen in Nahost und Nordafrika. Die hat sich seitdem vorrangig zu einem Flüchtlingshilfswerk weiterentwickelt. Zusammen mit dem zypriotischen Metropoliten Isaias Kykkotis legte sie dem Konzil das Projekt für eine gesamtorthodoxe Hilfsorganisation zugunsten der Opfer von Islamistengewalt und der durch sie Heimatvertriebenen vor. Nur so könne die Orthodoxie in den Nöten unserer Zeit glaubwürdig werden.

Die abschliessende Entscheidung, fortan regelmäßig orthodoxe Konzile einzuberufen, kommentierte Patriarch Bartholomaios I. launig: „Nur nicht zu schnell. Jetzt muss ich zunächst einmal ausruhen!“

πηγή Furche

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