Auch ein „Primat der Liebe“ für Orthodoxe nicht annehmbar Ehrliche Ernüchterung nach einem halben Jahrhundert Annäherung !

IMG_0830

 

Von Heinz Gstrein

Trumau. „Die Einheit der Christen kann nicht gemacht, sie muss erbetet werden!“. Dieser Satz aus der Eröffnungspredigt von Kardinal Kurt Koch in der Kapelle von Schloß Trumau bei Wien zog sich dort am 22. April durch das gesamte Internationale Symposium „Ut unum sint“. Es handelte sich um die Jahrestagung vom „Neuen Schülerkreis Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI.“. Sie galt noch dem 50jährigen Jubiläum der Aufhebung der Exkommunikation zwischen Rom und Konstantinopel am 7. Dezember 1965 sowie diesem Reformationsgedächtnisjahr.

Koch stellte dann in seinem Vortrag gleich eingehend klar, dass das Fundament christlicher Einheit immer der apostolische Glaube bilden müsse. In diesem könne es keine Kompromisse geben. Die Ökumenische Bewegung dürfe nicht zur kirchlichen Interessengemeinschaft verkürzt werden. Ökumenische Theologie müsse ehrlich und redlich bleiben. Ebenso unaufgebbar sei das Ziel einer sichtbaren Einheit und nicht nur einer friedlichen Koexistenz der christlichen Kirchen. Die Ökumene ist damit eschatologisches Zeichen, allerdings im Sinn einer Endzeit, die schon begonnen hat. Weder ekklesiologischer Relativmus, der alle bestehenden Unterschiede der Christen hinnimmt, noch ein ekklesiologischer Mystizimus, der eine unsichtbare, in allen Spaltungen nie verloren gegangene Einheit der „wahren Kirche“ postuliert, können den Ökumenismus zum Ziel führen. Sicher haben sich jene eiligen Hoffnungen, die 1965 in die Aufhebung des gegenseitigen Kirchenbannes zwischen Rom und Konstantinpopel gesetzt wurden, bis heute nicht erfüllt. Es sei jedoch genug erreicht, um auf dem Weg des neuen Zusammenwachsens von Katholizismus und Orthodoxie mit Zuversicht weiter zu gehen.

In einem lobpreisenden Kreis von Ratzinger-Schülern und –Verehrern sorgte dann der orthodoxe Hauptreferent, der österreichische Metropolit Arsenios Kardamakis, für heilsame Ernüchterung. Die Aufgabe der abendländischen Patriarchenwürde durch Benedikt XVI. sei aus Sicht der ostkirchlichen Ekklesiologie ein Indiz für die fortgesetzte und nun neueste Abkehr Roms von der im ersten christlichen Jahrtausend geprägten und in der Orthodoxie bis heute beibehaltenen Kirchenordnung eines Patriarchenkollegiums. Der päpstliche Primat könne – wenn überhaupt – nur durch Überhöhung des römischen Patriarchenamtes als Primas der kollegialen Patriarchengemeinschaft für die Orthodoxen rezipierbar werden. Jede direkte Ableitung eines universellen päpstlichen Jurisdiktionsprimates aus dem römischen Bischofsamt bzw. dem der Orthodoxie völlig fremden Theologem eines Petrusamtes entspreche nicht dem, was vor dem Schisma von 1054 in der Ost- und Westkirche gemeinsames Glaubensgut und gelebte Praxis war. Papst Benedikt XVI. habe selbst zugegeben, dass den Orthodoxen auch heute in Sachen Primat nicht mehr abverlangt werden dürfe, als sie schon im ersten Jahrtausend den römischen Papstpatriarchen eingeräumt hätten. Auch gegenüber seinem persönlichen „Freund und Bruder“, dem bis zu dessen Schlaganfall 2001 führenden orthodoxen Ökumeniker Damaskinos Papandreou. habe Ratzinger diesen Grundsatz immer gebilligt. Für den Fortgang des schon seit Ravenna 2007 an der zähen Primatsfrage herumbeißenden und –krebsenden orthodox-katholischen Dialog sei er daher „recht pessimistisch“, konstatierte Kardamakis zusammenfassend.

Dieser Sicht schlossen sich dann auch als Korreferenten die Lehrbeauftragten für orthodoxe Theologie an den Universitäten von Wien und Bern, Ioan Moga und Stefanos Athanasiou an. Sie unterstrichen, dass es nicht um eine demütig-liebevolle Ausübung des Papsttums gehe, wie sie seit Johannes XXIII. mehr oder weniger die Regel ist und in Franziskus ihren bisherigen Höhepunkt findet. Es gehe um die westlichen Papstdogmen. Diese waren und sind für die Orthodoxie unannehmbar und werden es auch bleiben. Besonders Athanasiou stellte in seinem Podiumsbeitrag „Ist Wahrheit ohne Liebe möglich?“ auch die Gegenfrage, ob noch so große ökumenische Liebe zueinander die Wahrheitsfindung vernebeln dürfe.

Aus Freiburg im Breisgau erinnerte die Pastoraltheologin Michaela C. Hastetter an einen griechisch-orthodoxen Wegbereiter der Ökumene, Metropolit Aimilianos Timiadis von Kalabrien, „den heute fast niemand mehr kennt“. Als langjähriger Vertreter von Patriarch Athenagoras I. beim Ökumenischen Rat der Kirchen und später im Rahmen der Kommunität von Bose in Piemont hat er nach jenem Grundsatz gewirkt, den er schon in seinem Frühwerk „Lebendige Orthodoxie“ (Eichstätt 1966) vertreten hatte: „Es wird keine Einheit ohne Heiligkeit und Leidensbereitschaft geben“.

Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, zugleich Großkanzler des Internationalen Theologischen Instituts (ITI) in Trumau, hob in seiner Abschlussrede die gerade heute bedeutungsvolle „Ökumene der Märtyrer“ hervor: im Blutzeugnis für das von Verfolgern als Einheit gesehenen Christentum ohne konfessionelle Schranken. Als Beispiel nannte Schönborn einen syrisch-orthodoxen Priester, der von Muslimterroristen aufgefordert wurde, Benedikt XVI. nach dessen islamkritischer Rede in Regensburg 2006 den Gehorsam aufzukünden. Obwohl die Kirche des Geistlichen keinen Papst anerkennt, verweigerte er die verlangte Abschwörung. Darauf wurde ihm die Kehle durchgeschnitten!

Der Reihe zu Unrecht vergessener orthodoxer Wegbereiter der kirchlichen Wiederbegegnung von Ost und West fügte der Kardinal-Erzbischof noch den rumänischen Archimandriten Andrea Skrima hinzu. Dieser hatte als Vertrauter von Athenagoras I. entscheidend zur Aufhebung des Kirchenbannes von 1054 zwischen Rom und Konstantinopel am 7. Dezember 1965 beigetragen und auch Schönborn selbst als jungen Theologiestudenten in die ostchristliche Frömmigkeit und Spiritualität eingeführt.

 

πηγή  öki

Advertisements

Σχολιάστε

Εισάγετε τα παρακάτω στοιχεία ή επιλέξτε ένα εικονίδιο για να συνδεθείτε:

Λογότυπο WordPress.com

Σχολιάζετε χρησιμοποιώντας τον λογαριασμό WordPress.com. Αποσύνδεση / Αλλαγή )

Φωτογραφία Twitter

Σχολιάζετε χρησιμοποιώντας τον λογαριασμό Twitter. Αποσύνδεση / Αλλαγή )

Φωτογραφία Facebook

Σχολιάζετε χρησιμοποιώντας τον λογαριασμό Facebook. Αποσύνδεση / Αλλαγή )

Φωτογραφία Google+

Σχολιάζετε χρησιμοποιώντας τον λογαριασμό Google+. Αποσύνδεση / Αλλαγή )

Σύνδεση με %s