Vom Totalverlierer zum Punktesieger Dank Flüchtlingen profitiert Türkei von Syrienkonflikt

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Von Heinz Gstrein

Auch die türkische Öffentlichkeit teilt die internationalen Bedenken zum Flüchtlingsdeal der EU mit Ankara. Das Eingehen auf dessen Forderung nach Verdoppelung des Verkaufspreises der Rückführungs-Migranten an die Türkei von drei auf sechs Milliarden Euro, Visafreiheit des Schengen-Raums für Türkinnen und Türken und frisches Winken mit einer EU-Erweitung bis tief in den Orient hinein machen das Erdogan-Regime vom großen Verlierer und Versager im Syrienkonflikt zum regionalen Punktesieger dank seiner gerissenen Ausnützung des Flüchtlingsproblems. Gleichzeitig sieht die türkische Opposition in der Vereinbarung von Brüssel einen Freibrief für weitere, ungestrafte Unterdrückung von Pressefreiheit und jeder kritischen Manifestation überhaupt am Bosporus.

Präsident Recep Tayyip Erdogans jüngste Behauptung, dass es „in der Türkei eben mit Freiheit und Demokratie einfach nicht gehe“, scheint auch durch das Wochenendattentat mitten in Istanbul bestätigt. Der Selbstzersprenger auf der Unabhängigkeitsstraße von Pera riss in erster Linie israelische Touristen mit in den Tod oder schickte sie schwerverletzt ins nahe Deutsche Krankenhaus. Das deutet auf islamistische Hintermänner wie die IS-Terrormiliz hin und nicht auf die notorischen kurdischen Sündenböcke des Regimes. Jedenfalls hat die Bluttat schon zu einer spürbaren Verbesserung des lang beschädigten Verhältnisses der Türkei zu Israel geführt. Dieses lobt ebenso wie Istanbuls jüdische Wochenzeitung *Schalom“ die vorbildliche Zusammenarbeit der türkischen Behörden mit einem sofort entsandten israelischen Rettungsteam. Erdogan hat sichtlich Glück, im Moment nicht nur Beifall aus Brüssel, sondern ebenso Jerusalem einzuheimsen. Er ist der Nutznießer von Flüchtlingselend wie Terror. Viele Menschen fragen sich diesem Zusammenhang, wieso ausländische Vertretungen in Istanbul für Samstag eine Anschlagswarnung ausgaben und ihre Staatsbürger zur Meidung vielbesuchter Zentren wie gerade der Fußgängerzone von Pera aufriefen, die Behörden hingegen sichtlich nichts oder zu wenig für die Verhinderung der angesagten Katastrophe getan haben…

Jeder versucht daher selbst für die eigene Sicherheit und die seiner Lieben zu sorgen: Frauen, Kinder und Alte sind in Wochenendhäuser auf die Inseln im Marmarameer oder zu Verwandten aufs Land verschickt, obwohl es in der Türkei jetzt keine Ferien gibt: Katholiken und Protestanten feiern Ostern mit den orthodoxen Christen am 1. Mai. In den Schulen sind viele Klassen bis zur Hälfte leer, Gechäftsleute im Basar haben dicht gemacht. Wer doch zur Arbeit muss, tut das auf Umwegen und über ruhige Hintergassen. Die Stimmung in Istanbul ist so gedrückt wie noch nie erinnerlich…

Trauriges Frühlingsfest Nauroz auch für die türkischen Kurden. Sie wagen sich diesmal kaum zu den traditionellen Tänzen ins Freie, fühlen sich von der ganzen Welt – mit Ausnahme Putins – verlassen und verraten. Eine bescheidene Nauroz-Feier in Istanbul wurde von der Polizei zersprengt, ein Kurde kam dabei ums Leben. Mit Spannung wird die trotz allem für Montag angesetzte Großkundgebung im östlichen Diyarbakir erwartet: Wird es  Obrigkeitsterror oder einen weiteren Anschlag geben?

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