Götterdämmerung im Gottesstaat

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Von Heinz Gstrein

In Teheran machte sich nach den doppelten Wahlen vom Freitag übers Wochenende zunehmend frohe Zuversicht breit: Der von Stunde zu Stunde gewissere Sieg des Reformlagers unter dem Namen „Hoffnung“ bringt gerade Frauen und der ganzen jungen Generation ebensolche Hoffnung auf endlich bessere Zeiten nach bald 50 Jahren Vorherrschaft engstirniger Ayatollahs. Materiell war schon vieles besser geworden, seit der den Konsum abwürgende Wirtschaftsboykott dank Hassan Rohanis Einlenken zum internationale Atomdeal aufgehoben ist. Das hat jetzt auch entscheidend den Wahlerfolg seines neuen Blocks aus Liberalen, gemäßigten Konservativen und Unabhängigen mitgetragen. Sowohl fürs neue Madschless-Parlament wie zum so genannten „Expertenrat“, der diesem als eine Art zweite Kammer beigeordnet, im Fall der Bestellung eines neuen geistlichen Führers der Islamischen Republik Iran sogar übergeordnet ist.

Von dieser ersten großen Auswirkung der konstruktiven Außenpolitik auf eine auch im Inneren enorm verstärkte Position Rohanis und seiner Reformer erhoffen sich Iranerinnen und Iraner mehr persönliche Freiheit im Privatleben und einen Ausbruch aus ihrem frustrierenden schulischen, beruflichen und sozialen Alltag: Grau in grau musste seit der Islamischen Revolution von 1979 Denken, Fühlen und Handeln in den engen, ausgeleierten Bahnen schiitischer Doktrin und Moral vor sich gehen.

Nach wagen es die Menschen nicht, ihrer freudigen Hoffnung zu laut und stark Ausdruck zu geben. Zu mächtig und präsent sind nach dem angebahnten Regimewechsel noch die Säulen des bisherigen Systems, eine alle und alles beschnüffelnde religiöse Sittenpolizei, mächtige „Revolutionsgarden“ als Staat im Staat und die Omnipräsenz der schiitischen Klerisei: Ihre zwischen Turban und Bart gestauchten Köpfe, in weiten Kaftans verschwimmenden schwammigen Gestalten werden auch im neuen Parlament das Bild bestimmen, sogar auf den Bänken der Reformer. Politik war und ist seit dem ersten Aufbegehren gegen einen autokratischen Schah-in-Schah in der Maschrute-Revolution von 1905 immer Sache der Geistlichen. So fordert es auch das schiitische Staatsideal von einer „Herrschaft der islamischen Theologen“ in einer klerikalen Republik. Auf diesem Gebiet herrscht in Iran noch großer Handlungsbedarf.

So wagen die Iranerinnen noch nicht, das ihnen generell aufgezwungene Kopftuch ganz abzulegen. Aber die Tschadore sind aus den Stirnen nach hinten gerutscht, geben die halbe „sündige“ Haarpracht und auch mehr frei. Streifen der Sittenwächter ziehen vorbei, werfen grimmige Blicke, heben aber nicht einmal mehr drohend ihre gefürchteten Knüppel. In Teheran hat die Götterdämmerung für den schiitischen Gottesstaat begonnen.

Der Auftakt zur Wende in der Islamischen Republik bringt aber auch Hoffnung für den mörderischen Konflikt um Syrien: Dort wäre das Wunder des Waffenstillstands ohne Wiedereinbindung Irans in die internationale Gemeinschaft nicht möglich geworden. Jetzt schafft der innere Aufbruch von Teheran, das bei der Lösungsfindung für Dsmaskus entscheidend mitspielt, gute Voraussetzungen für ein Halten der Feuerpause und konstruktive Friedensverhandlungen.

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