Von der Genfer Synaxis zum Konzil von Kreta

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Von Heinz Gstrein

Istanbul. Kaum ist der Ökumenische Patriarch von der Synaxis mit seinen griechisch-orthodoxen Amtsbrüdern in Chambésy nach Istanbul zurückgekehrt, so lässt er dieser Generalprobe für die „Heilige und Große Synode der Orthodoxie“ die ersten Schritte zu ihrer Vorbereitung folgen.

Der Gewinnung bisher ablehnender konservativer Kreise, die vor allem in Klöstern, den Konventikeln ultraorthodoxer Bruderschaften und bei „neu-orthodoxen“  Laientheologen zu finden sind, diente gleich am 30. Januar das Fest der drei großen morgenländischen Kirchenväter Basileios, Grigorios und Johannes Chrysostomos. Als Prediger in der Patriarchenkirche  war dazu der Protepistatis (Regierungschef) der Klosterrepublik des Heiligen Berges Athos eingeladen, Mönchspriester Theophilos Pantokratorinos. Seine Stimme sollte all jene zum Schweigen bringen, die das orthodoxe Konzil als „Räubersynode“, Unterwerfung an einen ortientierungslosen Zeitgeist und Gleichmacherei aller Konfessionen und Religionen verunglimpfen.

Am 1. Februar empfing Patriarch Bartholomaios I. den orthodoxen Erzbischof von Kreta, Irinaios Athanasiadis, und den Metropoliten von Kissamos, Amphilochios Andronikakis. Bei ihnen wird vom 16. bis 27. Juni – rund um das ostchristliche Pfingstfest – die erste Konzilssession stattfinden. Es gab vor allem Fragen der Unterbringung zu bewältigen. Die „Orthodoxe Akademie von Kreta“ ist doch zu klein, um die rund 400 Konzilsväter samt ihren Begleitern

unterzubringen. Nach der in Chambésy verabschiedeten Konzilsordnung werden sich diese – theologische Berater, Sekretäre und sonstiges Hilfspersonal – auf noch einmal so viele belaufen. Zählt man die andersgläubigen Konzilsbeobachter und die Medien dazu, werden im äußersten Westen von Kreta in und um besagte Akademie gut 1000 Personen versammelt sein. Erzbischof  Irinaios und Metropolit Amphilochios haben dem Patriarchen jedoch versichert, dass diese Zahl durch Zusatzquartiere in benachbarten Klöstern und kirchlichen Einrichtungen bewältigt werden kann. Metropolit Emmanuel Adamakis von Frankreich – selbst Kreter –  bekräftigte, dass die Inselkirche alles tun wird, um „die Heilige und Große Synode der Orthodoxen Kirche zum authentischen Ausdruck ihrer Einheit und zu einem Anlass zu machen, bei dem sie ihre Positionen zu verschiedenen aktuellen Themen festlegen wird.

Für eine Vollständigkeit und Verbindlichkeit des orthodoxen Konzils ist aber noch die Beilegung des Kirchenstreites zwischen den Patriarchaten von Antiochia und Jerusalem nötig. Dabei geht es um eine Metropolis Katar, die der Jerusalemer Patriarch Theophilos III. mitten im Jurisdiktionsgebiet des antiochenischen Kirchensprengels von Bagdad, Kuwait und den Golfstaaten errichtet hat. Auf der Synaxis von Chambesy zeichnete sich für diese Auseinandersetzung schon die Lösung ab, Erzbischof Makarios von Katar als Ordinarius für die christlichen Palästinser  am Golf zu belassen, ihn aber den auf einen alten Bischofssitz  im Heiligen Land umzutitulieren.

Auch darauf  konnten sich der Patriarch von Jerusalem und die antiochenische Delegation bei der Synaxis letztlich doch nicht einigen. Lediglich wurde ein Vorschlag der Orthodoxen Kirche von Zypern angenommen, rechtzeitig vor dem Konzil in Nikosia eine „Größere Synode“ mit der Konfliktlösung zu befassen. Derartige Versammlungen der zyprischen Orthodoxen mit mit den Patriarchaten von Alexandria, Antiochia und Jerusalem hatten schon mehrmals stattgefunden: Die erste bestätigte 1972 Erzbischof-Präsident Makarios von Zypern gegen die Umtriebe der damaligen Militärdiktatur in Griechenland. Die  bisher letzte von ihnen hatte 2006 in Chambésy den chronisch kranken zyprischen Erzbischof Chrysostomos II. für amtsunfähig erklärt. Auch bei der nun anstehenden Großen Synode kann es Theophilos III. passieren, dass nicht nur Antiochia wegen Katar recht gegeben wird, sondern sogar er selbst wegen dieser Verletzung der orthodoxen Kirchenordnung und anderer Delikte abgesetzt wird.

Dem Beschluss der Synaxis zufolge werden jetzt alle für Kreta bereit

erklärten und nicht wegen noch fehlender Übereinstimmung auf eine spätere Konzilssession verschobenen Vorlagen in allen Sprachen der Orthodoxie veröffentlicht. Damit tritt das Konzilssekretariat dem Einwand des Metropoliten von Kiew, Onufrij Berezovskij, entgegen, dass bei Dokumenten und Diskussionen das Griechische vorherrsche und von den anderen Orthodoxen nicht oder nur ungenügend verstanden werden könne. Überhaupt hat das hervorragende Dolmetscher- und Übersetzungssystem auf der Synaxis beweisen, dass Verständigung in den gut 20 Sprachen der Orthodoxie sehr wohl möglich ist.

Von den bisher veröffentlichten und übersetzen Konzilsvorlagen findet jede über Familie, Ehe und Ehehindernisse schon am meisten Beachtung. Sie wurde Die Georgische Orthodoxe Kirche hatte nämlich beanstandet, dass der Text keine ausdrückliche Verurteilung der Homosexualität enthalte und in Sachen Ehescheidung zu grosse Konzessionen an die heute gängige staatliche Gesetzgebung mache. Tatsächlich vermeidet der Text jede Verurteilung homosexueller Praktiken. Er stellt aber klar heraus, dass sich in einer christlichen Ehe die göttliche Dreieinigkeit in Vater. Mutter und Kind wiederspiegeln müsse. Es könne daher keine orthodoxe Trauung oder auch  nur Segnung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften geben. Ebesowenig dürfe das Kirchenrecht darin staatlichen Neuerungen nachgeben. Auch sei es verfehlt, die Kirche unter Berufung auf vermeintliche Menschenrechte zur Spendung des Ehesakramentes an zwei Männer oder zwei Frauen zwingen zu wollen. Rücksichtnahme auf das weltliche Eherecht könne hingegen bei Ehescheidungen genommen werden. Das ist alte byzantinisch-ostkirchliche Praxis, seit die Kirche in diesem Punkt der oströmischen Staatsdoktrin wiederholt nachgegeben hatte. Hingegen blieb die Unauflöslichkeit der kirchlich geschlossenen Ehe sowohl im Abendland wie bei den orientalisachen Christen erhalten, besonders ausgeprägt bei den ägyptischen Kopten.

Die endgültige Eröffnung der Heiligen und Großen Synode der Orthodoxie im Juni auf Kreta hat sofort freudige Zustimmung in breiten ostkirchlichen Kreisen gefunden. Bisher waren nach über einem halben Jahrhundert sich dahinschleppender Vorbereitungen Skepsis und regelrechte Konzilsmüdigkeit vorherrschend. Umso größer werden jetzt Freude und regelrechte Begeisterung laut. Das ist besonders in der Diaspora und Mission der Fall. Metropolit Serafim Iakovou von Zimbabwe ist sofort mit einem zusätzlichen Arbeitspapier zur Thematik „Orthodoxie und Ökologie“ hervorgetreten. Er bemüht sich darin um den Nachweis, dass es sündhafte Gier und Unersättlichkeit der Menschheit sind, die zunächst zu geistlicher Verarmung und in der Folge zur Zerstörung der Umwelt führen. Die kosmologische Grundansicht  der orthodoxen Auffassung von Mensch und Welt stehe dabei dem abendländischen „Anthropozentrismus“ wohltuend gegenüber.

Serafim Iakovou aus dem Kykkos-Kloster auf Zypern war es auch, der während der Synaxis massive Kritik an Griechenlands Erzbischof Hieronymos Liapis geübt hatte. Dieser blieb dem orthodoxen Kirchengipfel fern und hatte damit Abstand von dem ganzen Konzilsplan genommen.

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