Libanon in der Muslim-Überflutung

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Von Heinz Gstrein

In und um Tripolis im Norden Libanons drängt sich heute eine halbe Million Menschen zusammen. Zu Beginn des Bürgerkriegs im Nachbarland Syrien vor fünf Jahren lebten dort 200 000 Einwohner auf ohnedies schon beengtem Raum. Zu ihnen sind seitdem zweieinhalbmal so viele Flüchtlinge gekommen. 2011 bis 2013 waren es mehrheitlich muslimische Sunniten, die vor dem ihnen feindlichen Regime des Diktators Baschar al-Assad die Flucht ergriffen. In den letzten beiden Jahren treffen auch orthodoxe Christen, aber weiter viel mehr Durchschnitts-Muslime ein, die sich vor dem Wüten der fanatischen Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) nach Tripolis retten konnten.

Vom Hafen Al-Mina bis in die Ölberge am östlichen Stadtrand hinauf ziehen sich ihre Zelte und Hütten. Im verbauten Gebiet haben sie jeden freien Fleck unter Beschlag genommen, hausen auf Dächern und unter Stiegen, in Abfalltonnen und Abwasserkanälen. In der Altstadt sind die überdachten Basare der Schneider und Seifensieder mit Flüchtlingen überfüllt. Jeder freie Winkel hat Bewohner gefunden. Sie müssen für einen Lagerraum oder den Keller einer Werkstatt horrende Mieten zahlen, Frauen ihren letzten Familienschmuck hergeben. Sind alle Mittel erschöpft, jagen die Geschäftsleute die Familien samt Alten und Kindern auf die Straße. Der Islam kennt in der Regel weder Hilfsbereitschaft noch Hilfsorganisationen. Die einzige Hilfe für diese Hoffnungslosen kommt in Tripolis von Deutschlands evangelischen Christen über „Brot für die Welt“.

Die reichen Ölstaaten mit Saudi-Arabien an der Spitze nehmen keine Flüchtlinge aus Syrien auf. So wie sie sich seinerzeit geweigert hatten, den flüchtigen Palästina-Arabern Obdach zu gewähren. Es passt ins Kalkül dieser Strategen islamischer Weltherrschaft, die Ströme der Heimatvertriebenen ins christlich geprägte Abendland zu lenken. Erst für den Bau von Moscheen für diese am Rhein, Donau, Elbe und Oder wollen die Saudis Millionen locker machen.

In Libanon, diesem christlichen Felsen im Meer des Islams, ist diese Zielsetzung noch direkter: In dem kleinen Land mit einer erst im Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 gebrochenen Christenmehrheit stehen heute über vier Millionen Libanesen fast halb so viele Syrien-Flüchtlinge gegenüber, die meisten von ihnen Muslime. Noch immer schreibt die Verfassung des Landes vor, dass sein Präsident ein Christ sein muss. Aber schon seit zwei Jahren konnte kein solcher mehr gewählt werden, weil die Mehrzahl der Muslime erdrückend geworden ist.

Sicher träumen auch in den Elendsquartieren von Tripolis viele Flüchtlinge von einer Wohlstandszukunft in Mitteleuropa. Dafür ist für sie der Seeweg zum Migrantensprungbrett Griechenland zu weit. Hingegen fahren aus Al-Mina regelmäßig Menschenfrachter Richtung Mersin an der türkischen Südküste aus. Von dort erfasst sie die Hauptflüchtlingsschleuder des Erdogan-Regimes über die Balkanroute mit Endzielen Deutschland, Schweiz und Österreich.

Die Passagen nach der Türkei sind für die meisten jedoch unerschwinglich. Bestenfalls können sie einen arbeitsfähigen Sohn mit der Hoffnung losschicken, dass er einmal die ganze Sippe ins EU-Paradies nachziehen wird. Der große Rest bleibt in Libanon. Das Land am gleichnamigen Gebirge hat sich immer wieder als schützendes Rückzugsgebiet für Verfolgte und Bedrängte aus der nahöstlichen Nachbarschaft bewährt. Das war zunächst fast ein halbes Jahrtausend lang den Christen zu gut gekommen. Hierher flohen Ende des 7. Jh. unter Führung des Abtes Maron christliche Syrer vor der arabisch-islamischen Expansion. Unter dem Namen „Maroniten“ konnten sie sich am Libanon behaupten, bis um 1100 die Kreuzfahrer eintrafen. Die Maroniten verbündeten sich mit ihnen, nahmen die Kirchengemeinschaft mit dem Papst auf und wurden zur bodenständigen Hauptstütze für das Ritter-Königreich Jerusalem und die Grafschaft Tripolis.

Die Überfremdung des christlichen Libanon begann etwa gleichzeitig durch die Drusen: eine Mischreligion aus Ägypten, die sich vor ihrer Verfolgung in Ägypten ins mittellibanesische Bergland Schuf retten. Von ihrem Verhältnis zu den Maroniten hing fortan das Wohl oder Wehe der Christen ab: Die Drusen machten gegen Ende des 13. Jh. gemeinsame Sache mit den muslimischen Mamelucken, die den Kreuzstaaten den Garaus machten, und halfen 1516 dem osmanischen Sultan Selim I. bei der Eroberung Libanons. Während der türkischen Herrschaft standen Drusen und Maroniten dann allerdings oft gegen diese zusammen. Das bescherte Libanon im 18. Jh. Wohlstand und religiöse Toleranz.

Dann schlugen sich die Drusen aber bis heute auf die islamische Seite: Unvergesslich sind die Christengemetzel von 1860, die von Drusen und Sunniten zwischen dem Schuf und Damaskus verübt wurden. Auf Druck der europäischen Mächte musste das noch christliche Gebiet zwischen Beirut und Tripolis Selbstverwaltung erhalten. Diese Autonomie bewährte sich bis zum Ersten Weltkrieg. Dann wurde sie von den Türken aufgehoben und über die Christen eine Hungerblockade verhängt. Sie zählten rund eine halbe Million: mindestens 100 000 von ihnen sind damals verhungert.

Die französische Kolonialverwaltung von Syrien und Libanon zwischen 1920 und 1943 brachte den Christen nicht die erhoffte Sicherstellung einer wieder freien und sicheren Zukunft: Sie wurden aus internationalen Rücksichten mit Drusen, Sunniten und Schiiten zum Staat „Großlibanon“ zusammengequetscht. Als dieser 1946 die volle Unabhängigkeit bekam, hielten Maroniten, griechisch Orthodoxe und Katholiken, syrische Christen und Armenier immerhin noch eine knappe Mehrheit von 54%. Diese wurde aber mit der Ankunft von rund 400 000 Palästinensern 1948/49 auf ein Patt reduziert.

Der Kampf um ein weiter christliches oder muslimisch dominiertes Libanon kam dann im fünfzehnjährigen Bürgerkrieg zur Austragung. Im Frieden von 1990 blieb zwar die alte Verfassung mit christlicher Dominanz gültig, entsprach aber nicht mehr den demographischen Gegebenheiten: Fortan machten die Muslime fast zwei Drittel der Bevölkerung aus, die Christen knapp über ein Drittel und die Drusen 7%. So ist Libanon im letzten Vierteljahrhundert so gut wie unregierbar geworden. Der Massenzustrom von Muslimen aus Syrien leistet jetzt der endgültigen islamischen Machtergreifung und dem Ende der letzten christlichen Oase im Orient Vorschub.

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