Beginn der „Synaxis“ gesichert – Ausgang noch ziemlich offen

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Von Heinz Gstrein

Phanar/Istanbul. Das vorkonziliäre Gipfeltreffen der orthodoxen Kirchenführer, die Synaxis, tritt nach fast unüberwindbaren Schwierigkeiten nun doch wie geplant am Donnerstag, 21. Januar, gleich nach dem Epiphaniefest ihres alten Kirchenkalenders im Zentrum des Ökumenischen Patriarchats von Chambésy am Genfer See zusammen. An dessen Sitz im Istanbuler Phanar waren dieser Bestätigung von Eintracht aller Griechisch-Orthodoxen stürmische Tage und zuletzt eine lange, spannende Nacht vorausgegangen, bis Montag früh endlich, nur drei Tage vor ihrem Beginn, die offizielle Bestätigung der Synaxis erfolgte.

Diese wird ungewohnt lang bis zum 28. Januar dauern und ihren Höhepunkt mit einer Konzelebration aller Teilnehmer in der Pauluskirche von Chambésy am Sonntag, den 24. Januar finden. Endgültig teilnehmen werden doch alle 14 Glieder der orthodoxen Kirchenfamilie. Ebenso kommen fast sämtliche ihrer Oberhirten persönlich. Nur das Patriarchat Antiochia sowie die Kirchen von Griechenland und Polen werden durch Bischofsdelegationen vertreten sein.

Im Fall des antiochenischen Patriarchen Johannes X. – er wollte zunächst auch selbst kommen – dürfte sich doch die Einsicht durchgesetzt haben, keine persönliche Konfrontation mit seinem Jerusalemer Amtsbruder und Gegenspieler Theophilos III. zu suchen: Der hat ihm das wichtige Golfbistum im Emirat Katar weggeschnappt. Hingegen dürfte aber eine Regelung dieses Jurisdiktionsstreites auf der Synaxis fallen. Theophilos, der sich schon einmal mit den Rumänen überworfen hatte und von dem sein Amtsvorgänger Patriarch Irinaios in einer unwirtlichen Klosterzelle schon über zehn Jahre gefangen gehalten wird, geniesst immer weniger interorthodoxe Sympathien und Rückhalt.

Dürfte es sich bei den von Johannes X. nun vorgeschützten Gesundheitsrücksichten also mehr um eine diplomatische Krankheit handeln, so ist es um den polnischen Metropoliten Sawa Hrycuniak tatsächlich nicht gut bestellt. Doch kann sich der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. auch so auf die Orthodoxe Kirche von Polen verlassen. Diese war in die russische Reichskirche der Zaren gezwungen, bis sie 1924 von ihrer alten Mutterkirche Konstantinopel in die Eigenständigkeit (Autokephalie) entlassen wurde.

Was Erzbischof Hieronymos Liapis von Athen angeht, bleibt er von der Synaxis aus „persönlichen“ Gründen fern. Dahinter steht, dass er angesichts der Flügelkämpfe in der Orthodoxen Kirche von Griechenland zwischen Ökumenikern und Fundamentalisten, Anhängern des Ökumenischen Patriarchats und Russophilen die Verantwortung für eine endgültige Positionierung in Chambésy nicht allein auf seine Schultern nehmen will.

Patriarch Bartholomaios I. werden der Oberhirte seiner amerikanischen Diaspora, Erzbischof Dimitrios Trakatellis, und der ukrainische Erzbischof Konstantinopler Jurisdiktion, Job Getcha, in die Schweiz begleiten. Ihre Auswahl zeigt an, dass sich das Tauziehen zwischen Phanar und Moskauer Patriarchat vor der Synaxis auch auf dieser fortsetzen dürfte. Während Bartholomaios die Neue Welt als Teil seiner Diaspora betrachtet, haben die Russen eine „Orthodoxe Kirche von Amerika“ im Alleingang für autokephal erklärt. Sie zählen daher auch 15 statt 14 selbständige Patriarchate und Landeskirchen. Diesen Anspruch hatte Moskau als Hindernis für die Synaxis und das nachfolgende Orthodoxe Konzil hochgespielt, ist damit aber abgeblitzt. Umso mehr wird Patriarch Kyrill das Thema jetzt am Genfer See zur Sprache bringen und will Bartholomaios seinen US-Erzbischof an der Seite wissen.

Ähnlich sieht es mit dem Exilukrainer Erzbischof Job aus. Der namhafte Liturgiker hatte in Chambésy und dem Ökumenischen Konstantinopel zugehörigen russischen Institut St. Serge in Paris unterrichtet. 2013 trat er als Erzbischof an die Spitze des Konstantinopler Exarchats der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa. Dieses ist Moskau schon seit über einem halben Jahrhundert ein Dorn im Auge, einmal hatte es sogar seine Rückgabe an die russische Mutterkirche durchgesetzt, was aber dann am Widerstand der Bischöfe und Gläubigen scheiterte. Seitdem – und besonders intensiv nach Wiedereingliederung der „Russischen Auslandskirche“ ins Moskauer Patriarchat 2007 – ist dieses bemüht, dem Exarchat eine Gemeinde nach der anderen abspenstig zu machen bzw. eine Kirche nach der anderen wegzuprozessieren. Dem steht allerdings in Deutschland zuletzt die Bildung neuer Konstantinopler Russengemeinden gegenüber, die nicht unter der „Putinkirche“ stehen wollen.

Im Gegenzug ist es dieser gelungen, in Paris virulente Opposition gegen Erzbischof Job Getcha zu schüren. Der Ökumenische Patriarch sah sich taktisch genötigt, seinen Mann wieder als Professor in Chambésy aus der Schusslinie zu nehmen. Nun holt er ihn aber wieder zur Synaxis aus der Versenkung, was einen Wink mit dem Zaunpfahl für die Moskowiter darstellt.

Diese hatten seit ihrer Synodalsitzung am 28. Dezember sowohl die Synaxis wie die „Heilige und Große Synode der Orthodoxie“ in diesem Jahr in Frage gestellt. Metropolit Hilarion von Volokalamsk nannte als ihr Sprecher den Tagungsort im Phanar sowie die antiochenisch-Jerusalemer und tschechisch-slowakischen Kirchenstreitgkeiten als Haupthindernisse. Bartholomaios verlegte die Synaxis jedoch aus der zuletzt russenfeindlichen Türkei in die Schweiz, bewog Johannes X. zum Einlenken und stampfte regelrecht den Kirchenfrieden in der Orthodoxie der „Tschechischen Länder und der Slowakei“ fünf vor zwölf aus dem Boden.

Wäre die Orthodoxe Kirche von Russland da noch länger abseits geblieben, hätte sie nicht die Synaxis vereitelt, sondern wäre selbst in die Isolation geraten. Entscheidend für ihre Teilnahme wurde in letzter Minute das klare Eintreten des rumänischen Patriarchen Daniil für den orthodoxen Gipfel – Serben und Bulgaren hatten noch herumgezögert. Der Kirchenführer in Bukarest ließ übrigens schon früher durchblicken, dass er dem russischen Auftrumpfen als „größte Kirche der Orthodoxie“ das Gewicht von 30 Millionen orthodoxen Rumänen entgegenstellen könne.

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