Wieder Licht für Christen im ägyptischen Parlament

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Von Heinz Gstrein

Kairo. Erst im neuen Jahr wird sich zeigen, wie weit in Ägypten die Überraschungserfolge christlicher Kandidaten bei den bis 4. Dezember in drei Etappen durchgeführten Parlamentswahlen auch politisches Gewicht haben werden. Vorerst bleibt als erfreuliche Tatsache, dass die etwa 15%ige Minderheit der koptischen Christen in der neuen Nationalversammlung immerhin rund 8% der Sitze erringen konnte. Das ist zwar nicht so viel wie in der besten Zeit des Mitregierens der Christen am Nil zwischen 1866 und 1922. Jedoch wesentlich besser als der Tiefpunkt ihrer parlamentarischen Präsenz unter der Herrschaft der Muslim-Brüder 2012/13: Da waren nur sieben von 508 Abgeordnete christlichen, d.h. koptisch-orthodoxen Glaubens.

Das Militärregime von General Abdel Fattah al-Sisi, das dem Islamistenspuk in Kairo vor zweieinhalb Jahren ein Ende gesetzt hat, war jetzt um mehr demokratischen Anstrich und dabei um bessere Vertretung der minoritären Christen bemüht. Vom neuen Wahlgesetz wurde ihnen im Sinn einer minderheitenfreundlichen Konkordanzdemokratie eine Mindeststärke von 23 der 568 Sitze garantiert. Es blieb ihnen freigestellt, als „unabhängige“ Einzelwahlwerber anzutreten oder sich einer Partei anzuschließen. Die Bildung  einer rein konfessionellen Liste blieb ihnen genauso wie den Politmuslimen untersagt. So sah sich sogar die salafistisch-radikale Muslimbewegung „Al-Nur“ (Das Licht) gezwungen, einige Alibichristen aufzustellen. Sie fand solche in den Kreisen innerkirchlicher Gegner der ehelichen Unauflöslichkeit. Die ist bei den Kopten noch strikter als im römischen Katholizismus. „Modernisten“ betreiben daher ein Annäherung des Kirchenrechts an die islamischen Satzungen. Diese machen Scheidungen ziemlich leicht – allerdings nur für die Männer! Auf dieser Basis bildete sich eine gemeinsame, wenn auch paradoxe Wahlbasis von liberalen Kopten und Ultra-Muslimen.

So werden neben 13 „Unabhängigen“ diesmal auch zwei koptische „Salafisten“ die Kairoer Parlamentsbank drücken. Die meisten christlichen Volksvertreter sitzen jedoch in den Reihen der „Partei Freier Ägypter“, und zwar 22 von deren insgesamt 65 Deputierten. Das erinnert an die besonders fruchtbare Zusammenarbeit von Muslimen und Christen im „Wafd“ (Delegation) von vor dem Ersten bis nach dem Zweiten Weltkrieg.

Ägyptens vorwiegend koptische Christen haben sich unter bald 1400jähriger islamischer Herrschaft stärker behauptet als andere orientalische Kirchen. Das war weniger eine Folge besserer Behandlung als Zeichen hervorrangender Glaubenstreue bei diesem „Volk des Kreuzes“. Bis ins 19. Jahrhundert blieb es denselben diskriminierenden Gesetzen und Praktiken, ja immer wieder offenen Verfolgungen ausgesetzt, denen Christen – und Juden – unter arabischem, türkischem oder persischem Regiment unterworfen waren.

Erst nach dem ägyptischen Abenteuer von Napoleon I. vollzog sich am Nil die Ablösung vom Osmanen-Sultan in Konstantinopel unter einem eigenen Herrscherhaus. Dieses stammte aus Albanien, wo die christenfreundlichen Bektaschi-Derwische schon lang für ein recht gutes Verhältnis des Halbmondes zum Kreuz gesorgt hatten. Als Folge dieser Gesinnung hob Vizekönig Said 1856 die Wehrunwürdigkeit der Christen auf. Ismail (1863 bis 1879) berief zehn Jahre später koptische und armenische Persönlichkeiten in die von ihm geschaffene „Beratende Versammlung“. Einer von ihnen, Nubar Pascha, wurde Ägyptens erster christlicher Regierungschef.

Dagegen formierte sich eine gewalttätige arabisch-islamistische Opposition. Von ihr wurde 1910 der koptische Premierminister Butros Ghali Pascha ermordet – ein Vorfahre des späteren UN-Generalsekretärs. Während aber die Bewegung bald in die Muslim-Bruderschaft mündete, schlossen sich Kopten und aufgeklärte Muslime in der Wafd-Partei zusammen, wagten 1919 gemeinsam den Aufstand gegen die englische Besatzung und erwirkten die Verfassung von 1922 mit völliger Gleichstellung der christlichen und muslimischen Ägypter.

Bald ging es leider unter König Faruk, Nasser, Sadat, Mubarak und schließlich unter Muslim-Bruder-Präsident Mursi wieder abwärts. Der gemeinsame Neuanfang von Kopten und Muslimen in der „Partei freier Ägypter“ verspricht jetzt aber eine Wende am Nil. Umso mehr, als die Bewegung im Zeichen von Kreuz und Halbmond durch den koptischen Multiuntnehmer Naguib Saverous kräftig unterstützt wird.

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