Einige Orthodoxie vor ihrem Großen Konzil.Neue Schlüsselpersönlichkeiten bei letzter Vorkonferenz

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Von Heinz Gstrein

Chambésy. „Bahn frei“ für die Heilige und Große Synode der Orthodoxie von 2016 hieß es am 16. Oktober beim Abschluss der Fünften und letzten Allorthodoxen Vorkonziliären Konferenz am Genfer See. Nach Starthindernissen verschiedener Art konnten sich die Vertreter der 14 griechisch-orthodoxen Ostkirchen auf einvernehmliche und zukunftsweisende Konzilsvorlagen einigen. Unter ihnen verdienen das Ökumenismus-Schema „Beziehungen der orthodoxen Kirche zur übrigen christlichen Welt“ und der gelungene Reformtext „Die Wichtigkeit des Fastens und seiner heutigen Einhaltung“ besondere Beachtung.

Zweitens wurde im Zentrum des Ökumenischen Patriarchats bei Genf in personellen Rochaden während der einwöchigen Begegnung die wichtige Frage geklärt, wer auf dem kommenden Konzil das Sagen haben wird. Im Vordergrund stand die Ungewissheit, ob Konstantinopel in der Konzilskirche Hagia Irene einen Wortführer aufbieten kann, der dem in jeder Hinsicht überragenden Moskauer Metropoliten Hilarion Alfeev von Volokalamsk auch nur einigermaßen das Gleichgewicht hält. Der bisherige Cheftheologe von Patriarch Bartholomaios I., Ioannis Zizioulas, hatte sich mit seinen bald 85 Jahren dieser Aufgabe immer weniger gewachsen gezeigt. Jetzt in Chambésy konnte dieser Titularbischof des antiken Pergamon zwar noch zu Beginn den Vorsitz führen, musste diesen aber bald an den steigenden Stern im Ökumenischen Patriarchat abgeben, den 57jährigen Metropoliten von Frankreich, Emmanuel Adamakis. Der gebürtige Kreter ist damit im Phanar von Istanbul nicht nur für interreligiöse und gesamtchristliche Belange sowie für interorthodoxe Beziehungen, sondern nun auch in Sachen Konzil zuständig. Als starke Persönlichkeit und hervorragender Organisator ist er Hilarion durchaus ebenbürtig, überbietet diesen noch in schlauer Gewandtheit. Doch kann er mit dem Russen nicht an theologischer und spiritueller Tiefe mithalten. Dazu war nur der früh- und unzeitig 2011 verstorbene Metropolit von Wien, Michail Staikos, imstande…Zwar hätte Patriarch Bartholomaios I. in Metropolit Maximos Vgenopoulos von Silivria einen hervorragenden Ekklesiologen in Reserve. Ihn will sich der Phanar aber offenbar für den orthodox-katholischen Dialog aufsparen.

Zu Beginn mit dem Eröffnungsgottesdienst am Sonntag, 11. Oktober, schien dieser vorletzte – es steht noch die Synaxis der Kirchenoberhäupter Anfang 2016 aus – Akt der Konzilsvorbereitungen unter keinen so günstigen Vorzeichen zu stehen. Vor allem war ungewiss, ob das Patriarchat Antiochia nicht wegen seines Streites mit Jerusalem fehlen und damit die nötig einstimmige Beschlussfassung verhindern würde. Tags darauf, als die orthodoxe Paulus-Kirche von Chambésy in einen Konferenzsaal verwandelt war, saßen doch der antiochenische Metropolit von Sao Paolo, Damaskinos Mansour, und der libanesische Erzbischof Basilius Nassour brav an ihrem Tischchen. Auch das Ringen um eine neue Rangfolge unter den Gliedern der orthodoxen Kirchenfamilie scheint mit der Vorreihung des frühkirchlichen Patriarchats von Georgien auf den sechsten Platz vor die erst im 20. Jahrhundert anerkannten serbischen, rumänischen und bulgarischen Patriarchen zunächst abgeschlossen zu sein.

Metropolit Hilarion hatte bei seiner ersten Wortmeldung in der   Eigenschaft als Leiter des Moskauer kirchlichen Außenamtes noch harte Kritik an den Aktivitäten von ukrainischen Auslandsbischöfen des Ökumenischen Patriarchats auf dem Boden der Ukraine und damit im „kanonischen Territorium“ seiner Kirche geübt. Er schloss dann aber versöhnlich damit, dass grundsätzlich orthodoxe Brüderlichkeit und Einheit über diesen Differenzen stehe. Ebenso war dann das Ausbleiben der russischen und georgischen Unterschrift unter den Konzilsentwurf „Die Sendung der orthodoxen Kirche in der heutigen Welt“ eine Formsache. Dieser Text ist aus einem vor der Wende im Ostblock unter politischen Rücksichten erarbeiteten Schema zum „Friedenskampf“, der Völkerfreundschaft, gegen Rassismus und Kolonialismus hervorgegangen. Ganz mit seiner postkommunistischen Neufassung wollte man in Moskau und Tiflis nicht konform gehen, um das Gesicht der eigenen kirchlichen Vergangenheit zu wahren. Ein Hindernis für das Konzil stellt das aber kaum dar.

Abgesehen vom Emporkommen des Pariser Metropoliten Emmanuel waren in Chambésy noch eine Reihe anderer neuer Gesichter, Köpfe und Stimmen wahrzunehmen. Fast völlig verjüngt die ganze Vertretung von Konstantinopel mit Ausnahme ihres ökumenischen Altmeisters Erzpriester Georgios Tsetsis: So sind Adamakis der auch sonst mit ihm verbundene Synodal-Sekretär in Istanbul, Bartholomaios Samaras, und ein anderer Kreter, Archimandrit Prodromos Xenakis, zur Seite getreten.

In der russischen Delegation fiel diesmal in Chambésy neben ihren Fixsternen Metropolit Hilarion und dem nie um eine Kenntnis oder Lösung verlegenen Erzpriester Nikolaj Balasov die gestiegene Bedeutung und Rolle des in München amtierenden Erzbischofs Mark Arndt von Berlin, Deutschland und Großbritannien auf. Er wird sicher auf dem Konzil der deutschen Orthodoxie eine würdige Präsenz sichern!

Die schon bewährten Konzilsexperten der Georgischen Orthodoxen Kirche zeigten sich verstärkt durch den Athos-Mönch Anthimos Tzavachisvili vom Kloster Grigoriou. Er ist einer der ersten Georgier, die seit fast 100 Jahren wieder auf dem Heiligen Berg leben und den Kontakt zur griechischen – statt nur zur russischen – Orthodoxie gewährleisten.

Sonst gab es bei dieser letzten vorkonziliären Runde meist vertraute Persönlichkeiten: Metropolit Amfilohije Radovic von Montenegro und Bischof Irinej Bulovic aus Novi Sad von der Serbischen Orthodoxen Kirche, den rumänischen Theologen Viorel Ioanita oder Metropolit Juraj Stransky von Michalovce und Kosice in der Ostslowakei. Er genießt das Vertrauen beider Kirchenparteien in der zerstrittenen tschecho-slowakischen Orthodoxie.

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